HöllochFür das Highlight der rum3ber Outdoor-Tour in 2013 hatte sich Martina etwas ganz besonderes ausgedacht. Wir verbrachten das vorletzte Novemberwochenende in der (fast) grössten Höhle Europas, der Hölloch Grotte im Muotathal. 15 mutige Frauen und Männern wagten das Abenteuer, ein Wochenende unter Tage zu verbringen.

Wie es uns dabei erging und ob wir den Weg aus der Höhle wieder ans Tageslicht gefunden haben, lest ihr nach dem Break.
 

 
"Das Hölloch ist ein Karst-Höhlensystem im Kanton Schwyz in der Schweiz. Es ist mit bislang über 200 km bekannter Länge das zweit längste Höhlensystem in Europa und das acht längste der Welt. Der Name hat nichts mit der Hölle zu tun, obwohl es zu dieser Namensgebung eine Sage gibt. In Schweizer Mundart bedeutet »Hähl« rutschig; und als Besucher wird man vom diplomierten Höhlenführer unterrichtet, dass es sich um »e hähls Loch« handelt. Die wahrscheinlichste Herkunft des Namens ist, dass Höll oder Hell ein sackartig abfallendes, schlecht zugängliches Geländestück (Tobel) bezeichnen. Somit bezeichnet Hölloch ein Loch oder eben eine Höhle, die sich in diesem Tobel befindet." (Quelle: Wikipedia)

Eher wissenschaftliche Information zur Höhle bietet die Arbeitsgemeinschaft Höllochforschung.
 
KarbidlampeAm Samstag, 23. November gegen 10 Uhr sind auch die letzten Teilnehmer im Weiler Stalden unterhalb der Grotte im Muotathal angekommen. Jede Höllochtour beginnt und endet im Restaurant Hölloch (mit Schnitzel und Pommes). Hier lernen wir unsere Höhlenführer kennen: Gary (Gerhard Amacher), Simone Pauli und ihr Sohn. Unsere Ausrüstung besteht aus einem halbwegs wasserdichten Overall, Gummistiefeln, gummierten Gartenhandschuhen, einem Helm mit Beleuchtung und unseren privaten Rucksäcken. Die Helmlampen sind eine spezielle Angelegenheit. Neben normalen batteriebetriebenen LED-Lampen sind einige von uns mit altertümlichen Karbidlampen ausgestattet. In einer solchen Höhlenlampe wird festes Calciumcarbid durch Tropfwasser in Acetylengas umgewandelt und in einer hellen (na ja), gelblichen Flamme verbrannt. Aus Sicherheitsgründen müssen bei Höhlenbegehungen immer auch Karbidlampen mitgeführt werden.
 
Nach einer 20-minütigen Schneewanderung das Muotathal hinauf erreichen wir den Eingang der Höhle. Auf den ersten paar 100 Metern gehen wir auf betoniertem Untergrund, der von der ersten touristischen Nutzung im Jahr 1906 übrig geblieben ist. Auch die Stromleitungen aus vergangenen Tagen sind noch an der Decke zu sehen, diese sind jedoch seit 1910 nicht mehr in Betrieb. Die Lichtausbeute unserer Helmlampen ist sehr verschieden. Während die LEDs ein helles, kaltes Licht verbreiten, funzeln die Karbidlampen warm und bescheiden vor sich hin. Ohne einen LED-Gänger vor und hinter sich, würde ein Karbidträger kaum etwas sehen.
 
LeiterNach kurzer Zeit endet der befestigte Teil der Höhle und wir erreichen die natürliche Grotte. Die Gänge schlängeln sich syphonartig auf und ab, so dass wir entweder über schwarzen Sand oder nassen Fels Hänge hinabsteigen oder über Leitern, mit Seilen oder auf allen Vieren aufsteigen. In den unteren Teilen der Syphons ist es oft nötig, kleinere Teiche zu überqueren. Entweder hangelt man sich an der Wand entlang oder krabbelt über horizontale Metallleitern. Ein Highlight der Strecke ist eine 40 Meter hohe, senkrechte Felswand. Diese überwinden wir auf einer fixen Leiter an der man sich doppelt mit Karabinern sichert.
 
Im weiteren Verlauf werden die Gänge enger und niedriger. So ist es häufig nötig auf den Knien zu kriechen oder sich komplett im Liegen voran zu arbeiten. Da kommt richtiges Höhlenfeeling auf. Diejenigen mit Karbidlampen sind dabei wieder im Nachteil. Der Entwickler hängt lose am Gürtel und behindert oft das Kriechen. Falls er nicht gerade irgendwo am Fels klemmt, läuft bestimmt das Karbidwasser aus und nässt einem die Hose ein (riecht gut :-). Die Schläuche zwischen Entwickler und Helmlampe verfangen sich auch gerne einmal; da muss man aufpassen, dass es einem nicht den Helm vom Kopf reisst. Ansonsten ist die Stimmung in der Gruppe jedoch hervorragend.

Neben uns gibt es noch anderes Leben in dieser Höhle. Zum Beispiel den Höllen-Pseudoskorpion. Details dazu gibt es in einem interessanten NZZ-Artikel.
 
Nach einer sechsstündigen Wanderung durch die Hölloch-Grotte erreichen wir das Dombiwak. In einer grossen Halle befindet sich unsere Unterkunft für die Nacht mit allem erdenklichen Komfort. Es gibt Tische und Bänke, Feldbetten und ein Plumpsklo. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf; alle Führer und die Hälfte von uns entscheiden sich für eine weitere Exkursion mit 'noch steiler, noch enger, noch schöner'. Die andere Gruppe beschliesst im Biwak zu bleiben, um der ersten Gruppe den Weisswein weg zutrinken. Die Erfahrungen der Exkursion muss Martina beschreiben, da ich mich für den Wein entschied.

Hoehle_Frau6 Leute entscheiden sich spontan mit unseren drei Führern zur Zusatztour. Obwohl der sechsstündige Weg zum Dombiwak nicht ohne wahr, reizt es uns endlich mal ohne Gepäck auf dem Rücken die Höhle noch weiter zu erkunden. Bereits nach wenigen Metern bereuen wir diese Entscheidung nicht. Wir erreichen eine Höhle die durch Spalten sicher 30 Meter in die Höhe ging, wir kriechen (robben) durch schmale Spalten, die so eng sind, dass gerade der Kopf durch passt; jetzt kommt so richtiges Höhlenabenteuerfeeling auf. Am Scheitelpunkt der Tour erreichen wir eine Höhle, in der es wunderschöne Tropfsteine gibt, der grösste Stalagmit ist ca. 150 cm hoch. Wenn man überlegt, dass so ein Stalagmit in 100 Jahren 10 mm wächst...wow.

Hier machen wir eine kleine Pause und schalten alle Lampen aus...totale Dunkelheit umgibt uns, Stille...es ist faszinierend. Dann geht es weiter und wir stehen vor dem sportlichen Highlight der Extratour, ein Kamin - nicht kerzengerade nach oben, sondern leicht versetzt. Wir kletterten, schieben und stemmten uns mit allen Fassetten der Kletterkunst nach oben und freuen uns über jeden Absatz, den wir schaffen. Trotz Anstrengung und der Frage, wie man da bloss hochkommen soll, sehe ich bei allen strahlende Gesichter. Gut gelaunt und nun wirklich hungrig geht es zurück zum Dombiwak.
 
Hoehle_ShadowNach etwa 2,5 Stunden kehrt die Exkursionsgruppe erschöpft aber glücklich zum Lager zurück und traft auf den ebenfalls fröhlichen und selig lächelnden Rest. Nun wurde ein feines Käsefondue vorbereitet und vertilgt. Nur um das klarzustellen, alle Lebensmittel inklusive Wein haben wir in unseren Rucksäcken selbst ins Biwak geschleppt. Nach dem Essen wurde noch eine Weile in gemütlicher Runde geschwatzt, bevor die Feldbetten ihren Gast für diese Nacht fanden. In der Höllochgrotte herrscht eine konstante Temperatur von 5-7 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit. Somit empfiehlt sich für die Kleidung das bekannte Zwiebelprinzip. Beim Wandern wird einem schnell warm, während man in der Nacht auf warme Kleidung angewiesen ist. Durch mehrere Kleidungsschichten lässt sich das gut regulieren. Erstaunlicherweise schliefen alle Teilnehmer gut und wachten bereits im Dunkeln wieder auf (ha ha).
 
Nach einem nahrhaften Frühstück und dem Aufräumen der Küche und des Schlafplatzes machten wir uns auf den Rückweg. Hierbei zeigt sich ein Phänomen des Höhlenwanderns; auf dem Rückweg sieht alles ganz anders aus als auf dem Hinweg. Da eine Höhle ein dreidimensionales Labyrinth darstellt, ist es schwierig den richtigen Weg in umgekehrter Richtung zu finden. Ohne ortskundigen Führer verläuft man sich garantiert. Zumindest kann man aufgrund bekannter Wegpunkte einschätzen, wie weit es noch bis zum Ausgang ist. An unserem zweiten Höhlentag stellte sich bei manchen (zumindest bei mir) eine gewisse Höhlendepression ein; man sehnt sich nach Tageslicht und dem freien Himmel über dem Kopf. Der Mensch ist eben nicht für ein Leben unter Tage geschaffen. Einige von uns hatten dann auch leichte konditionelle Schwierigkeiten, die jedoch den nötigen Ansporn für die letzten Kilometer in der Höhle schafften.

Hoehle_Gruppe
 
Als wir den Ausgang der Höhle am späten Sonntagnachmittag erreichten, belohnte uns kein Tageslicht sondern ein klarer Sternenhimmel. Die Ausrüstung war dann auch schnell abgelegt und verstaut, so dass wir im Restaurant Hölloch resümieren und Schnitzel mit Pommes verdrücken konnten. Bei allen Teilnehmern hat diese Tour einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zwei Tage in einer Höhle erlebt man nicht alle Tage; vielleicht nur einmal im Leben. Manche haben ein neues Hobby entdeckt; andere sagen 'nie wieder'. Wie dem auch sei, das Wochenende in der Hölloch-Grotte war für uns alle ein sehr eindrückliches Erlebnis von dem wir unseren Enkeln erzählen werden.
 
Zum Schluss noch ein paar Tipps für zukünftige Höhlengänger:
- nicht freiwillig die Karbidlampe nehmen
- keine Angst vor Dunkelheit, Enge, Wasser und Dreck haben
- keinen Riesenrucksack mitnehmen, damit bleibt man stecken (gell, Ralf)
- Taschenlampe nicht vergessen
- immer bei der Gruppe (beim Licht) bleiben
- Erfahrung im Umgang mit Seil und Karabiner hilft
- Erfahrung mit mittelschweren Bergtouren hilft auch
- nie ohne erfahrenen Führer in eine Höhle gehen
- den Film 'The Decent' nicht vor der Höhlentour ansehen
 
Die Bilder zur Tour