RouletteSpielcasinos erleben in letzter Zeit einen wahren Boom. Dort wird mit besonderen Events und Themenabenden geworben um auch Lieschen Müller einmal an den grünen Filz oder den Einarmigen Banditen zu locken. "Dinner for Winner", "Lady's Poker" und "La Notte Italiana" versprechen ein zusätzliches Vergnügen neben dem Fröhnen der eigenen Spielsucht. Um so besser, wenn man nebenbei auch noch zum Roulettemillionär werden kann. Mit dem alten Kommunionsanzug und den schwarzen Lackschuhen auf ins Grand Casino Baden. Mit dem passenden Outfit ist allerdings noch keine Million gewonnen. Dafür braucht es ein System. Deshalb habe ich mir einen Abend Zeit genommen um das totsichere Gewinnsystem für das Roulettspiel auszutüfteln. Das Prinzip ist ganz einfach und trägt den Namen "Pechsträhne aussitzen".


Wie jedefrau weiss, gibt es beim Roulette "einfache Chancen" bei denen man entweder gewinnt oder verliert. Setze ich auf Rot oder Schwarz bzw. auf Gerade oder Ungerade, so liegen meine Gewinnchancen bei 50:50. Da ich der Glücksfee nicht allzu sehr auf die Füsse treten will, begnüge ich mich bei meinem phänomenalen Gewinnprinzip auf diese einfachen Chancen. Mit 100 Sfr. Startkapital setze ich pro Spiel jeweils 1 Franken auf Rot. Falls ich gewinne, erhalte ich meinen Einsatz doppelt zurück, wenn ich verliere dann ist er futsch. Der Trick besteht nun darin, im Verlustfall meinen Einsatz beim nächsten Spiel zu verdoppeln um den vorherigen Verlust wieder zu kompensieren. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Ich setze von meinen 100 Sfr. 1 Franken auf Rot und gewinne. Somit erhalte ich 2 Franken zurück und habe nun 101 Sfr. in der Tasche. Beim nächsten Spiel setze ich wieder 1 Franken auf Rot, gewinne schon wieder und habe jetzt insgesamt 102 Franken. Jetzt wird es spannend: beim nächsten Spiel setze ich wieder 1 Franken auf Rot und verliere. Mein Budget beträgt jetzt 101 Franken. Nun bringe ich den doppelten Einsatz von 2 Franken auf Rot. Ich verliere wieder und habe jetzt nur noch 99 Sfr. Noch einmal den doppelten Einsatz von 4 Franken auf Rot. Ich verliere nochmals und habe nun 95 Sfr. Also setze ich jetzt 8 Franken auf Rot und ... haha ich gewinne 16 Franken. 95 minus 8 macht 87 plus 16 ergibt 103 Sfr. Beim vorletzten Gewinn hatte ich 102 Sfr. und nun sind es 103 Sfr. Es ist so, als hätte ich nie verloren. Ich habe meine Pechsträhne erfolgreich durch Verdoppeln der Einsätze ausgesessen.

Wie ihr seht, steht dem Reichwerden nichts mehr im Wege. Solange ich durch doppelte Einsätze die Verlustserie überwinden kann, bin ich immer auf der Gewinnerseite. Was, ihr glaubt mir nicht? Ich glaube es auch nicht und deshalb habe ich kurzerhand den Abend im Casino Baden am Computer simuliert.

Der findige Informatiker schreibt sich dazu ein kleines Progrämmli. Dazu braucht es keine dicke Entwicklungsumgebung, keine Datenbank und auch keine grafische Benutzeroberfläche. Ein simples prozedurales Programm reicht hier völlig aus. Ich habe die Gelegenheit genutzt um mich ein wenig mit einer mir neuen Sprache vertraut zu machen, nämlich "Python".

Für alle die es interessiert, habe ich den Programmcode hier angefügt. Alle anderen mögen darüber hinweg scrollen und danach weiterlesen.

#!/usr/bin/python
# -*- coding: latin-1 -*-

import random

# Function returns true if roulette number is even
# and false if it is odd
def spiele():
r = random.randrange(37)
if r % 2:
return True
else:
return False
# end of function

# Function does all printing
def tellme(i, spiel, konto, verlustserie):
print i, spiel, konto, verlustserie
# end of function

konto = 100        # wieviel Geld habe ich
grundeinsatz = 1    # wie hoch ist mein Grundeinsatz
einsatz = grundeinsatz    # wie hoch ist mein aktueller Spieleinsatz
gewinnmultiplikator = 2 # womit wird mein Einsatz multipliziert wenn ich gewinne
anzahlspiele = 10    # wieviele Spiele mache ich
verlust = 0        # wie oft hintereinander habe ich verloren
verlustserie = 0    # was war die höchste Verlustserie
pleitegehen = True    # kann das Programm pleite gehen

for i in range(anzahlspiele):
konto -= einsatz
if konto <= 0 and pleitegehen:
print "pleite"
break
if spiele():
spiel = "gewonnen"
if verlust > verlustserie:
verlustserie = verlust
verlust = 0
konto += einsatz * gewinnmultiplikator
einsatz = grundeinsatz
else:
spiel = "verloren"
verlust += 1
if verlust > verlustserie:
verlustserie = verlust
einsatz *= gewinnmultiplikator
tellme(i+1, spiel, konto, verlustserie)


Was auch der Nichtprogrammierer sofort erkennt, die Python-Sprache ist sehr einfach und leserlich. Da gibt es oben zwei Funktionen: spiele() und tellme(), weiter unten einige Variablen und zum Schluss die eigentliche Logik. Den Erfahrerenen unter euch fällt auf, dass Python fast keine Hyroglyphen enthält, keine Delimiter am Zeilenende, keine Variablen Deklarationen und keine Klammern um For und If zu blocken. Das macht es angenehm zu schreiben und gut zu lesen.

Nun gut, kommen wir zurück zum Millionärwerden. Mit dem Programm habe ich eine unterschiedliche Anzahl von Spielen durchgerechnet um herauszufinden, wie lange denn die Pechsträhnen dauern darf, wieviel Geld man zum Durchhalten mitbringen muss und natürlich wieviel man bei dem ganzen Spass gewinnt.

Die Tabelle bringt die grosse Ernüchterung:

Spiele max. Verlustserie
nötiges Guthaben durchschn. Gewinn
10 4
16 Sfr
5 Sfr
100
7
130 Sfr
50 Sfr
1000
10
1000 Sfr
500 Sfr
10000
14
17000 Sfr
5000 Sfr



Wenn ich hundert Spiele mache, ist es unwahrscheinlich, dass ich öfter als 7 mal hintereinander verliere. Deshalb brauche ich ca. 130 Franken um die längste Pechsträhne zu überstehen. Das tönt gut und macht Hoffnung auf die Yacht im Mittelmeer. Leider beträgt der Gewinn bei 100 Spielen nach dieser Methode nur ca. 50 Franken. Da 50 Franken noch keinen Millionär machen, muss eben öfter gespielt werden. Die Nacht ist jung und wir auch, deshalb mache ich jetzt zehntausend Spiele. Hierbei verliert man kaum öfter als 14 mal hintereinander. Um dieses Pech zu überleben muss ich ungefähr 17'000 Sfr. Kapital mitbringen. Dummerweise gehe ich selbst bei 10'000 Spielen mit nicht mehr als 5'000 Franken Gewinn nach Hause.

Wie ihr seht, ist die Zeit unser Feind. Es ist unmöglich an einem Abend auch nur tausend Spiele zu machen. 100 Spiele liegen schon eher im Bereich des Machbaren aber der mikrige Gewinn von 50 Franken deckt gerade mal unsere Getränkerechnung.

Und die Moral von der Geschicht: Casinobetreiber sind auch nicht blöd, aber Python ist eine tolle Programmiersprache.