QuintenViele Male sind wir über die Autobahn oder im Zug am Walensee vorbeigerauscht; viele Male wollten wir die Churfirsten besteigen oder die Nordküste des Sees bewandern. Die Karwoche 2017 brachte Abhilfe. Am Karfreitag stiegen wir (leider zu spät) in den Zug und fuhren nach Walenstadt und mit dem Postauto bis zur Reha-Klinik von Walenstadt-Berg.

Unser Plan war, von hier aus auf die Alp Tschingla aufzusteigen um von dort aus auf dem höchstmöglichen Weg über die Alp Tschingla die Churfirsten bis nach Weesen zu traversieren.

Doch es kam ganz anders.

 

 

Wir hatten eine grobe Vorstellung von der Zeit, die wir für die Strecke von Walenstadt-Berg über die Alp Tschingla bis nach Quinten brauchen würden. Deshalb fuhren wir spät los und waren erst gegen Mittag am Ausgangspunkt. Die Ankunft in Quinten hatten wir für 17 Uhr angekündigt so dass uns ca. 5 Stunden für die Wanderung blieben. Als wir den Wegweiser zur Alp sahen, schwante und, dass wir für die Gesamtstrecke nach Quinten viel länger brauchen würden. Zudem hatten wir bereits eine gute dreiviertel Stunde Richtung Tschingla (inklusive Verlaufen) verplempert. Nach kurzer Diskussion waren wir uns einig, dass wir bei der geplanten Strecke unser Ziel viel zu spät (also erst nach Sonnenuntergang) erreichen würden. Daher kehrten wir um und nahmen eine weniger hohe und direkte Strecke nach Quinten unter die Sohlen. Das waren immerhin noch 5 Stunden und 45 Minuten bis zum Ziel. Selbst auf der kürzeren Route würden wir unser Ziel erst nach 17 Uhr erreichen.

Enttäuscht vom Abweichen von der erwünschten Route und dem Weg über asphaltierte Strassen, war ich (Ralf) mit der Gesamtsituation äusserst unzufrieden. Hinzu kam, dass Martina vom Wanderfluss getrieben eine ziemliche Geschwindigkeit vorlegte und einige hundert Meter vor mir her stapfte. Mit meiner Kondition war es an diesem Tag nicht zum Besten bestellt, so dass ich zwei, drei mal eine Pause einlegte um mich leichter anzuziehen. Nach ca. einer Stunde hatte ich Martina wieder eingeholt um sie mit meinem Unmut zu überschütten. Nach zwei Minuten war die Gesamtsituation wieder in Ordnung wozu die schöne Aussicht und der bessere Weg (kein Asphalt) seinen Teil beitrugt.

So wanderten wir bergauf und bergab bis wir den sehr steilen Abstieg von Laubegg hinunter nach Quinten mit der Seilbahn überwinden wollten. Diese entpuppte sich als simple Lastenbahn, die nicht für den Personenverkehr vorgesehen war. Also doch der steile Abstieg; und ich kann euch sagen, er war sehr steil und sehr lang. Auf 3.7 Kilometern ging es 1040 Höhenmeter hinunter, das entspricht einem durchschnittlichen Gefälle von 30%. Nach diesem mühsamen Abstieg kamen wir um halb sechs in der Klimasonderzone Quinten an.

Über Quinten aus der Wikipedia: "Das 56 Einwohner grosse Dorf Quinten am Nordufer des Walensees ist nur zu Fuss oder mit dem Schiff erreichbar. Als autofreies Dorf ist Quinten ein beliebter Zwischen- und Endpunkt für Wanderungen. Quinten hat auf Grund seiner besonderen Lage an der Sonnenseite des Walensees und am Fusse der Churfirsten ein südländisches Klima mit einer Jahresmitteltemperatur von rund 12.0 °C, wo Weintrauben, Feigen, Kiwis und andere exotische Gewächse gedeihen. Auch verschiedene Palmenarten wachsen hier. Durch seine hohen Anzahl Sonnenstunden und wenigen Eistage wird es Gandria der Ostschweiz bezeichnet. Es gehört mit zu den wärmsten Orten der Schweiz. Ausserdem leben viele geschützte Reptilien wie Mauereidechsen, Zauneidechsen, Schlingnatter, Ringelnatter und Aeskulapnatter in diesem für die Tiere optimalen Habitat. Die Einheimischen produzieren aus den vielen gewonnenen Früchten wie Weintrauben vorzüglichen Wein, verschiedene Liköre und vieles mehr. Quinten hatte 1835 noch 171 Einwohner. Wegen fehlender Bahn- und Strassenverbindungen machte das Dorf den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mit, viele Einwohner verliessen das Dorf. Heute geht es dem Dorf dank des Tourismus wieder besser und die Einwohner leben vor allem vom Schiffbetrieb und der Gastronomie. Der Ort mit seinen beiden Anlegestellen Quinten-Au und Quinten-Dorf ist ganzjährig per Kursschiff von Murg aus erreichbar."

Da wir eine zweitägige Wanderung geplant hatten, brauchten wir eine Übernachtung in der Mitte der Strecke, also in Quinten. Die Möglichkeiten in diesem kleinen Ort sind sehr beschränkt. Das Kubli-Huus vermietet seine Ferienwohnungen nur wochenweise; das Restaurant Seehus hat keine Betten aber die Gaststätte Schifflände bietet in einer Dependance einen Massenschlag für 12 Personen inklusive Küche, Doppel-Lavabo, WC und Dusche für 55 Franken pro Person. Nicht so preiswert aber wenn man eine 12-Personen Wohnung für sich alleine hat, kann man nicht klagen. Im Restaurant Schifflände gab es am Karfreitag kein Nachtessen mehr, dafür aber im Seehus. Wir genossen eine köstliche Bärlauchsuppe und ein hervorragendes Zanderfilet mit schwarzem Pfeffer bzw. Egli mit Mandeln. Auch der Pinot Noir Barrique aus Quintener Anbau war sehr gut.

Es kommt selten vor aber bei der Schifflände gab es am Ostersamstag keine Zeit fürs Auschecken. So konnten wir beliebig ausschlafen und genossen ein reichhaltiges Frühstück beim Gastgeber. Kurz vor Mittag nahmen wir die zweite Wegstrecke unserer Walenseetour in Angriff: Quinten - Weesen.

Walensee Strecke

Die Strecke

Quinten liegt auf 445 Metern; verlässt man der Ort Richtung Westen, führt der Weg stetig bergauf bis man auf 720 Metern den höchsten Punkt oberhalb einer steilen Felswand erreicht. Nun geht es sanft bergab bis man die spektakulären Seerenbachfälle und die Rinquelle erreicht. Es lohnt sich die Details zu diesen Wassererscheinungen unter den Links nachzulesen. Kurz bevor man die Wasserfälle erreicht, lädt ein verwunschener Ort zum Verweilen ein. Am äussersten Ende der Gemeindegrenze von Betlis haben freundliche Bewohner Sitzbänke mit Sinnsprüchen (siehe Bildergalerie) vor ihrem Haus aufgestellt um den Wanderer willkommen zu heissen. Für zwei Franken in die offene Kasse gibt es einen leckeren Süssmost mit Holundersirup zum Erfrischen. Wer hier nicht verweilt hat die Welt nicht verstanden.

Die restliche Wegstrecke bis Weesen Post ist lang aber nicht besonders interessant. Zu den Highlights zählen die enge Uferstrasse, die vor 100 Jahren in den Fels geschlagen wurde, zwei "italienische Tunnel", die an Enge und Schroffheit kaum zu unterbieten sind und die schöne Badi am Ufer des Walensees. Trotz anfänglicher planungsbedingter Unzulänglichkeiten waren es zwei sehr schöne Tage entlang des Walensees und immer unterhalb der Churfirsten. Um das Entgangene zu ergänzen, steht unsere nächste Tour auch schon fest; wir werden von Walenstadt-Berg (Reha-Klinik) zur Alp Tschingla aufsteigen um von dort aus den Chäserrugg zu erreichen. Dann wird es per Luftseilbahn ab nach Unterwasser gehen.

Die Bilder zur Tour