PortweinRalf Baier hatte eine gute Idee für eine Wochenendtour im späten September. Über seine Firma hatte er die Besichtigung einer Portwein-Quinta im Hinterland der Stadt Porto organisiert. So flogen wir am Donnerstagabend, den 28. 9. 2017, zu siebt in die nordportugiesische Stadt Porto am schönen Rio Douro. Mit von der Partie waren Ivanka und Michael, Francy und Ralf sowie Pascal und wir beide. Unsere Unterkunft in den bnApartments Carregal war vom Feinsten; ein ehemaliges Musik Konservatorium lud in seinen riesigen Räumen und der schönen Gartenanlage mit Pool zum Verweilen ein.

Zum Verweilen blieb jedoch wenig Zeit, da wir ein volles Programm für die drei Tage in Porto hatten:

 

Die Reise fing mit einem Malheur an; im Gegensatz zu allen anderen hatten Ivanka und Michael in Zürich einen Koffer aufgegeben. "Aufgegeben" ist hier das richtige Wort, weil der Koffer leider nicht in Porto ankam. So hatten die beiden von Anfang an einen administrativen Aufwand um den Verbleib und die Wiederbeschaffung des Koffers zu klären. Dies begann am Flughafen in Porto und zog sich durch die gesamten Tage an diesem Wochenende. Um das Ergebnis vorwegzunehmen, es wurden viele erfolglose Telefonate geführt, neue Kleider für Michael gekauft um schlussendlich den verlorenen Koffer vor dem Rückflug nach Zürich am Flughafen Porto wiederzubekommen.

Am Freitagmorgen bestiegen wir den Zug nach Pinhao um die Quinta Niepoort zu besuchen. Leider fuhrt der Zug aus unbekannten Gründen nicht ab; uns wurde ein anderer Zug zugewiesen, der bereits proppenvoll war. So mussten wir die erste Stunde im Stehen verbringen, bevor wir auf halber Strecke in den leereren Nachfolgezug umsteigen konnten. Die Fahrt entlang des Douros entschädigte mit schönen Aussichten für die umständliche Anfahrt. Im Städtchen Pinhao angekommen fuhren wir mit dem Taxi zum Weingut Niepoort wo wir bereits von einer Mitarbeiterin erwartet wurden. Sie führte uns durch die Anlage und erklärte den Prozess der Portwein Herstellung. Anschliessend genossen wir von der Terrasse den herrlichen Ausblick auf die Rebberge und ein rustikales Essen mit ausgiebiger Wein- und Portwein-Verkostung. Dabei kam auch ein ca. 100-jähriger Port auf den Tisch, der vom Besitzer Dirk Niepoort persönlich geöffnet wurde. Ich fand die Proben vorher und nachher besser als den Familienschatz, der zwar Ehrfurcht und Anerkennung heraufbeschwört, objektiv betrachtet jedoch eher eine braune Brühe ist (hier ist Widerspruch erlaubt).
Nach unserem Ausflug in die Höhen önologischer Handwerkskunst begaben wir uns auf eine entspannte und friedliche Flussfahrt auf dem Douro. Mit unserem neu erworbenen Wissen über Portweine war die Auswahl des richtigen Tropfens an Bord eine leichte Übung. Für die Rückfahrt nach Porto entschieden wir uns für eine Taxifahrt, da die Zeit schon fortgeschritten war und wir noch möglichst viel vom Abend in der Stadt geniessen wollten.
Der Samstag stand zur freien Verfügung aller Mitreisenden. Die einen entschieden sich für Shopping, die anderen (nämlich wir) wollten den Atlantik sehen, der nur fünf Kilometer von Porto entfernt liegt. Eigentlich wollten wir Velos mieten um entlang des Flusses bis zum Meer zu fahren. Da wir spät dran waren und keine Fahrräder mehr zu haben waren, mieteten wir zwei Elektro-Skooter bei Monkey Rider. Das war die bessere Wahl und wir hatten einen Riesenspass an der Fahrt mit den kleinen E-Trottis. Der Atlantik empfing uns windig und mit hohen Wellen. Bei sommerlichen Temperaturen von fast 30 Grad war das kein Problem. Da die Batterien der Monkey's für 30 km gut waren, konnten wir auch noch ein Stück die Küste entlang fahren. Auf der Rückfahrt kehrten wir in der Lounge-Bar Homen do Leme ein und hatten einen entspannten Nachmittag bei leckeren Sardinen in Tomatensauce mit Weisswein.

Eine Beschreibung der Abendessen an den vorherigen zwei Tagen habe ich bewusst ausgelassen, weil wir jeweils in Touristenfallen getappt sind. Nicht so an diesem Samstagabend. In weiser Voraussicht hatten wir die Empfehlung unserer Zimmerdame Teresa eingeholt. Sie schickte uns zum Restaurant Assador Tipico (der typische Bratspiess). Bereits vorher beim Aufwärmen in unserer "Stammkneipe" Capela Incomum lernten wir Steve und Lauraine aus Ipswich (UK) kennen. Die beiden waren sehr freundlich und luden uns sogar zu ihrer Silvesterparty nach England ein (nicht ohne Insistieren von Ralf Baier). Zufällig hatten die beiden im selben Restaurant wie wir reserviert. So teilten wir die Tafel zu neunt und erfreuten uns am besten Abendessen dieser Reise (mit Livemusik). Wir entschieden uns für einen feinen Octupus mit extra grossen Saugnäpfen.

 

Am Sonntag wanderten wir durch die Stadt bis zur Ponte Dom Luis Primero, die von Gustave Eiffel erbaut wurde (man sieht es ihr an). Auf der oberen Querung hat man einen tollen Blick über den Fluss und die Altstadt zu beiden Seiten. Ist die Brücke überschritten, erreicht man die Stadt Gaia am Südufer des Douro. Dort befinden sich die alten Portweinlager in denen die Fässer für die Verschiffung in alle Welt aufbewahrt werden. Entlang des Ufers reiht sich Halle neben Halle durchmischt von vielen Restaurants und touristischen Angeboten; auf dem Fluss dümpeln die typischen Boote für den Transport der Portweinfässer. Uns gefiel diese Seite Portos nicht so gut - zu touristisch - weshalb wir mit dem Wassertaxi ans Porto-Ufer übersetzten. Dort fanden wir wieder eine nette Lounge, in der wir den Rest des Nachmittags in aller Ruhe verbrachten.


Die Rückreise nach Zürich verlief planmässig und für Ivanka und Michael positiv, da sie ihren schon aufgegebenen Koffer wieder in die Arme schliessen konnten und sich auch noch das Waschen sparten. Als Alternative oder Ergänzung zu Portugal können wir Porto sehr empfehlen.