NeapelWegen der fortgeschrittenen Jahreszeit führte uns Martinas Geburtstagsreise in warme Gefilde. Neapel war das Ziel unserer Reise vom 13. bis 15. Oktober 2017. Neapel bietet im Oktober angenehme Temperaturen um die 26 Grad. Genau das Richtige um den bei uns vergangenen Sommer ein letztes Mal zu geniessen bevor bei uns zuhause die Herbstkälte einsetzt.

In anderthalb Stunden gelangt man von Zürich mit dem Flugzeug nach Neapel und fährt mit dem Taxi in knapp 20 Minuten bis in die Altstadt. Dort befand sind unser Appartement Spinacorona, ein Juwel inmitten der morbiden alten Gassen. In Neapel trifft man auf das wahre Italien: 'dolce far niente' vereint sich mit Bergen von Müll und Bettlern. »Vedi Napoli e poi muori« kann man zum Guten oder Schlechten auslegen; hier kann man im Dreck sterben oder aufgehen im süssen Nichtstun. Wir entschieden uns für Letzteres und hatten ein geniales Wochenende zwischen zweieinhalb-tausend jähriger Geschichte, erquickendem Strassenleben und einer letzten Sommerfrische auf dem Meer.

Neapel präsentiert sich mit einer gewachsenen grossen Altstadt, deren Strassenverlauf  immer noch in etwa identisch ist mit dem der antiken Stadt. Drei parallele Hauptstrassen, durchziehen die Stadt seit ihrer Gründung von Westen nach Osten, mit zahlreichen Querverbindungen. Auffällig sind die Anzahl der Kirchen, es müssen hunderte sein. Man hat das Gefühl, jede Strasse hat ihre eigene Kirche. Auch sind einige Überreste der griechischen wie der römischen Stadt noch vorhanden, so sieht man z.B. an der Piazza Bellini einen Teil der griechischen Stadtmauer, die in römischer Zeit verstärkt wurde.

Historisch und landschaftlich am Meer mit wunderschönen Inseln gelegen, bietet Neapel enorm viel und zieht sicher auch aus diesen Gründen jährlich tausende Touristen an. Der Zefall ist deutlich sichtbar, nicht nur Gebäude, sondern auch die Strassen benötigen seit jahr(hundert)en einer dringenden Sanierung. Zerbeulte Autos, Müll auf den Strassen...ja auch das ist Neapel. Allerdings scheint dies die Neapolitaner nicht zu stören. Wir haben noch keine Stadt in Italien erlebt, wo die Menschen ihr Leben so leben wie es ist und sich das auch durch nichts nehmen lassen; und genau das macht Neapel irgendwie charmant.

Selbstverständlich haben auch wir gesagt, in Neapel MUSS man Pizza essen, schliesslich soll diese hier erfunden worden sein. Nun ja, was soll man sagen, den kulinarischen Gaumenschmaus hatten wir uns etwas anders vorgestellt...wieder eine Erfahrung reicher. Obwohl wir uns gut vorbereitet hatten und die Top Pizzaiolo Stätten der Stadt aufsuchten, hat sich der Genuss nicht eingestellt. Mal ehrlich, wir haben noch nie schlechtere Pizza gegessen als in ihrer Erfinderstadt. Das Ausruhen auf den Pizza-Lorbeeren macht den mässigen Belag, den zu dicken Rand und das Fehlen von Tomaten und Würze nicht wett.

Keine gute Pizza

Den Samstag verbrachten wir in der Stadt. Streiften durch Gassen, Gässchen, Trepp auf und Trepp ab bis zum Hafen und wieder zurück. Entdecken wunderschöne Hinterhöfe (wenn die grossen Tore geöfftnet waren), faszinierende Kirchen und am Hafen ein ruhiges Restaurant mit leckeren Fischspeisen zur mittäglichen Stärkung, bevor wir das Castello dell'Ovo erklommen, von wo wir eine wunderbare Sicht über den Golf von Neapel und die Stadt hatten.

Am Sonntag verliessen wir den Hafen mit dem Schnellboot zur Insel Ischia, mit dem Ziel das Castello Aragonese zu besichtigen. In 45 Minuten erreicht man die Insel, wobei kurz zuvor noch die Insel Procida vorbeizieht. Das Castello ist eine auf einem Felsen – knapp vor der Küste – liegende Festung. Auf dem Felsen ist ein Garten mit Olivenbäumen, Oleander, Kakteen, Palmen und vielen weiteren Pflanzen angelegt. Die Festung, die heute im Privatbesitz ist, wurde seit dem 12. Jahrhundert von vielen Eroberern eingenommen und besetzt. Im Mittelalter wohnten zu Spitzenzeiten 1890 Familien sowie Nonnen, Priester und Fürsten auf dem Felsen.

Castello Aragonese

Das skurilste unserer Besichtigung war die Nonnengruft wo in einem kleinen Gewölbe entlang der Wände gemauerte Sessel stehen. Diese hatten in der Sitzfläche eine Öffnung. Verstarb nun eine Nonne, wurde der Leichnam auf einen solchen Sessel gesetzt und verweste in dieser Haltung. Die dabei entweichenden Körperflüssigkeiten flossen durch die Öffnung in der Sitzfläche und tropften in ein spezielles Gefäß, welches unter dem Sessel platziert wurde. War der Leichnam vollständig skelettiert, wurde dieser in einen besonderen Knochenraum gebracht. Die lebenden Nonnen verbrachten täglich mehrere Stunden in dieser Gruft zum Meditieren über den Tod. Durch die schlechte Luft und das teilweise vergiftete Klima in der Nonnengruft verstarben viele von ihnen frühzeitig.

Wir waren froh, dass wir uns für die Insel Ischia und nicht für Capri entschieden hatten. Die Insel Capri hat neben der berühmte Blauen Grotte eher wenig zu bieten. Das Tourist Office in Neapel hat uns bestätigt, dass wir selbst zu dieser Jahreszeit mit langen Wartezeiten und hohen Preisen für die Busse, Boote und Nachen zu rechnen haben. Deshalb blieb uns die Grotta Azzurra verwehrt und ein herrliches Fischrestaurant im Hafen von Ischia Porto hiess uns willkommen. Gerne planen wir in den nächsten Jahren eine ganze Urlaubswoche auf Ischia ein.