KykladenNach drei Jahren war es endlich wieder soweit. Nach unserer Segeltour in der Karibik, standen in diesem Jahr die Inseln der griechischen Ägäis auf dem Programm. Nach langer Vorarbeit (Skipper suchen, Segelyacht suchen und buchen, Crew zusammenstellen) freuten wir uns sehr auf zwei Wochen mit Wind und Wellen.

Ob der Skipper segeln konnte, das Boot seetüchtig war und die Crew wirklich ein Team war, lest ihr in diesem Artikel. Um es vorweg zu nehmen, ja - alles hat gepasst, bis auf das Wetter (wer rechnet schon mit einem Hurikan im Mittelmeer).

 

 

Unsere Segeltour in der griechischen Ägäis fand vom 15. bis 29. September 2018 statt und war ein durchwachsenes Erlebnis. Alles fing vor einem halben Jahr mit der Vorbereitung an. Unser Karibik-Skipper Markus hatte uns den Ägäis-Skipper Matthias empfohlen. Von ihm stammte auch der Vorschlag für die Segelyacht. Auf der Messe "Boot 2018" holte er Informationen ein, welches Boot wir für den Törn chartern könnten. Unsere Wahl fiel auf eine "Benetau Oceanis 48", eine dreijährige Yacht mit fünf Kabinen, knapp 15 Metern Länge und moderner Ausstattung.

Nun galt es, die Crew für die Tour zu finden. Da einige Bekannte einen Rückzieher machten, mussten wir weitersuchen um möglichst alle Kabinen belegen zu können. Da das gesamte Kostenrisiko bei uns lag, wurden wir in jedem Monat, in dem der Start der Ferien auf uns zu kam, etwas nervöser. Zum Glück stand das Team im August fest: Zuzanna, Chris und Claudia hatten bereits im Frühling zugesagt. Dann kam Stefanie (Matthias Freundin) hinzu und zum Schluss konnten sich zwei neue Bekannte, Angela und Othmar, fürs Segeln begeistern. Somit hatten wir die Yacht bis auf einen Platz belegt.

Die Karte zeigt den Verlauf des Segeltörns

 

Am Freitagabend trafen wir uns am Flughafen in Zürich und flogen (fast) gemeinsam nach Athen. Da Matthias und Stefani früher von Deutschland aus flogen, waren sie bereits in unserem Hotel in der Nähe der Marina Alimos angekommen. Am Samstagmorgen trafen wir uns alle zum Frühstück in unserem Hotel Tropical und konnten uns alle endlich kennenlernen. Nachdem wir die Einkaufsliste für die nächsten Tage erstellt hatten, teilten wir uns auf: die Damen gingen gemeinsam zum Supermarkt, Matthias und ich kümmerten uns darum das gesamte Gepäck in die Marina zu bringen und Othmar fuhr mit dem Tram in einen Nachbarort um zusätzliche Angelausrüstung zu besorgen. Am späten Nachmittag konnten wir die Yacht 'Skiron' übernehmen. Nach diversen Formalitäten konnten wir das Gepäck verladen und der Lieferwagen vom Supermarkt brachte die Einkäufe bis ans Boot. Nachdem alles erkundet und verstaut war, gönnten wir uns einen ersten Drink und besprachen das Nötige: Sicherheit an Bord, wer macht was und wo segeln wir hin.

Dann ging es endlich los. Am Sonntagmorgen stachen wir in See und nahmen Kurs entlang der Westküste Attikas mit der Insel Kythnos als Tagesziel. Während der ganzen Reise hatten wir beständigen (teils sehr böigen) achterlichen Nordwind. So konnten wir in der ersten Woche viel raumschots bzw. vor dem Wind segeln. Der erste Ankerplatz war zugleich einer der schönsten der ganzen Tour. Am Kolona Beach trennt eine schmale Sandbank die Nord- von der Südbucht auf der Nordwest-Seite der Insel. Wir fuhren von Süden in die Bucht ein und ankerten im Wind. Nachdem der Anker festsass, kochten wir (also nicht ich) ein leckers Abendmahl.

Am Montag ging es weiter Richtung Süden zur Insel Serifos. Um es vorwegzunehmen, das geplante Highlight der Tour - die Insel Santorini - erreichten wir aufgrund der Wetterverhältnisse nicht. Das machte aber gar nichts, weil die Chora-Agia Kyriaki alles andere in den Schatten stellt. Chora ist in Griechenland, vor allem auf den griechischen Inseln, eine umgangssprachliche Bezeichnung für den zentralen Ort einer landwirtschaftlich geprägten Region. Bekannt ist das Bild von den weissen Häusern mit blauen Fensterläden, die sich an einen Hügel schmiegen, von der Insel Santorini. Doch die meisten der Kykladen-Inseln haben ebensolche Orte zu bieten. Meist befindet sich ganz oben auf dem Chora Hügel eine Kirche; auf Serifos waren es gleich mehrere. Auf Serifos verbrachten wir drei Tage (Montag - Mittwoch) weil der Wind zu stark blies um die Tour fortzusetzen.

Donnerstags segelten wir weiter nach Süden zur Insel Sifnos und machten in der Bucht von Vathy im Südwesten der Insel fest. Dort verbrachten wir einen tollen Abend in einem Restaurant am Strand bei gutem Essen, gutem Wein und guten Gesprächen. Zwei Boote neben uns hatte eine Luxusyacht angelegt, auf der an diesem Abend die Geburtstagsfeier für einen Kanadier stattfand. Neben Freunden und der Familie, waren augenscheinlich auch einige leichte Boys and Girls geladen. Wir staunten über die Barbecue-Gerätschaften, die von den Köchen auf dem Strand aufgebaut wurden und den riesigen Fleischspiessen, die sich darauf drehten. Die halbe Nacht durften wir am Disco-Sound von der Geburtstagsyacht teilhaben.

Am Freitag erreichten wir auf der Insel Folegandros den südlichsten Punkt unserer Reise. Im Südosten befindet sich das Dorf Karavostasis mit einem malerischen Hafen. Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus hinauf zu einer weiteren Chora. Dort führt ein Fussweg im Zickzack-Kurs hoch zur griechisch-orthodoxen Kirche von Panagia. Von dort oben hatten wir einen herrlichen Blick über das Meer, die Steilküste und die malerischen Gässchen der Chora. Zurück in der Chora, schlenderten wir durch die Strässchen, in denen es pitoreske Läden mit schöner Handwerkskunst und einladene Lokale gab. Wir erstanden bei einem Händler ein gebrauchtes Buch mit dem Namen 'Der Köder' als Geschenk für Othmar um ihm einen Ansporn für sein Angeln zu geben.

Der achte Tag war durch gutes Segelwetter, schöne Panoramen beim Segeln im Norden der Insel Sikinos und einer Traumbucht auf Antiparos geprägt. Diese Bucht ist eigentlich ein Durchstich zwischen der Insel Despotiko im Westen und Antiparos im Osten. Die geringe Wassertiefe verhindert jedoch ein Durchsegeln; man würde mit dem Kiel auf der Sandbank hängen bleiben. Hier erlebten wir einen fantastischen Sonnenuntergang und schöne Schnorchelausflüge.

Der Grund warum wir nach Folegandros bereits die Rückreise nach Norden antraten, war der mediterane Wirbelsturm Zorbas, der mit Windgeschwindigkeiten von 150 km/h sein Unwesen südlich der Ägäis trieb. Die Ausläufer dieses Hurrikans bekamen wir bereits beim unfreiwilligen Dreitagestopp auf Serifos zu spüren. Deshalb wollten wir auf Nummer Sicher gehen und bis Montag wieder im sicheren Hafen unserer Marina liegen.

Am Sonntag segelten wir einen langen Schlag von Antiparos zur Insel Kythnos, die wir bereits vom letzten Sonntag kannten. Von Süden kommend mussten wir an der Spitze der Insel entscheiden, ob wir direkt in eine sichere Bucht mit Nordwindabdeckung einfuhren oder die Ostküste bis in den Norden von Kythnos weiterfahren sollten. Hier brauchte es eine basisdemokratische Abstimmung der Crew, da die Meinungen stark divergierten. Die Mehrheit entschied sich fürs Weitersegeln in den Nordost-Hafen von Loutra. Tatsächlich erwies sich das als die bessere Entscheidung, weil wir uns dort die Füsse an Land vertreten konnten und eine gut geschützte Pier-Lage einnahmen. Da der Wind wieder heftig blies, waren wir froh den letzten Liegeplatz am Pier ergattern zu können. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Da der Hafen überfüllt war, mussten wir längsseits an einem englischen Katamaran festmachen. Das funktionierte ganz gut und unsere Nachbarn erwiesen sich als lustige Crew.

Der Montag war als Deadline für die Rückkehr in die Marina gesetzt, um unsere Yacht zurück in sichere Gefilde zu bringen. Dazu war erneut eine lange Segel- bzw. Motorstrecke zu absolvieren. Vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir die Alimos-Marina und konnten das Schiff ordentlich gegen den aufziehenden Hurrikan Zorbas sichern. Wer schon einmal mit Mooring-Leinen gearbeitet hat, weiss, dass das eine schweisstreibende Arbeit sein kann; insbesondere wenn Anfänger am Werk sind.

Da alle - ausser uns - Athen noch nicht kannten, fuhren wir am Dienstag in die Hauptstadt. Die Besichtigung der Akropolis schenkten wir uns, da wir sie von unserem letzten Besuch noch in guter Erinnerung hatten. Stattdessen bestiegen wir gegenüber der Akropolis einen kleinen Tempelhügel, der einen schönen Panoramablick auf die Stadt und die berühmten Tempelanlagen bietet. Am Nachmittag schlenderten wir durch die Altstadt, stöberten in allerlei Antiquitätenläden und liessen den Athenbesuch in den malerischen Treppengassen bei einem kühlen Glas Weisswein ausklingen.

Am Mittwoch entschieden wir beide uns dafür das Schiff für zwei Tage zu verlassen um die Insel Ägina im Saronischen Golf zu besichtigen. Mit der Fähre gelangt man in einer Stunde von Piräus auf die 'Ziegeninsel'. Im gleichnamigen Hauptort der Insel hatten wir ein nettes Hotelzimmer gebucht. Zu Fuss erkundeten wir das hübsche Fischerdorf und fanden am Abend, direkt gegenüber des Fischmarktes, ein kleines Restaurant, das von den Frauen der Fischer betrieben wurde. Das Angebot war dort so frisch und authentisch, dass wir am Donnerstag erneut dort einkehrten. Während unseres Dorfrundgangs entdeckten wir am Hafen eine Schautafel, auf der die Wanderwege der Insel beschrieben waren. So kam es, dass wir am Donnerstag mit dem Taxi in den Süden Äginas fuhren um durch die windigen Hügel der Insel zu wandern. Auf der Tour begegneten uns keine Menschenseele, jedoch ein Gruppe tausendjähriger Olivenbäume und weitere Überraschungen der Inselflora. Von Ägina stammen 3% der Weltproduktion an Pistazien. Die Bäume mit ihren blassroten Früchten waren auf der Wanderung allgegenwärtig.

Nach unserer Rückkehr zur Alimos Marina wurde das Wetter regnerisch. Am Freitag standen die Formalitäten der Bootsrückgabe auf dem Programm. Samstags wurde das Wetter noch schlechter; wir waren dann froh als wir nach einem problemlosen Flug am Samstagabend wieder in der Schweiz ankamen. Wir haben die zwei Wochen in der Ägäis als sehr schön und abwechslungsreich empfunden. Die Inseln mit ihren Choras, die Farbe des Wassers, die Schwimmgelegenheiten und unsere Segelpassagen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Froh waren wir auch, dass das Zusammenspiel in der Crew gut funktionierte. Für das durchwachsende Wetter kann niemand etwas obwohl es für diese Jahreszeit in der Ägäis sehr ungewöhnlich war. Eines steht fest, in zwei drei Jahren brechen wir zur nächsten Segeltörn auf.