NizzaMartinas Geburtstagsreise war in diesem Jahr eher durch die verfügbaren Flüge am Wochenende nach dem Geburtstag geprägt als vom Wunsch nach einer bestimmten Destination. Ein schönes Appartement zu finden, ist überhaupt kein Problem aber den passenden Flug gibt es selten. Der völlig überlastete europäische Flugverkehr wirkte sich daher auf unsere Gburi-Wochenend-Planung aus.

Das eigentliche Ziel musste ich daher schnell fallen lassen, weil es keine Flüge dorthin gab. So kam es, dass wir die Tage vom 12. bis 14. Oktober in der Geburtsstadt Garibaldis verbrachten. Wir hätten keinen besseren Ort finden können und können jederfrau empfehlen, ein Wochenende in und um Nizza zu verbringen.

 

Geburtstagsgeschenke sollen Überraschungen sein. Darum basteln wir jedes mal ein Rätsel zum Ort des Geschehens, bestehend aus diversen Fragen, die im Geburtstagskind früher oder später einen Geistesblitz zünden. Das Ratespiel ging so:

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"Ich bin die fünftgrösste Stadt meines Landes und im Winter war ich ein beliebtes
Winterquartier für die Zarenfamilie. Den Ursprung meines Namens siehst Du jeden Tag auf der Strasse.
Ich wurde 350 v. Chr. gegründet. Der Autor Alexandre Dumas meinte 1851,
ich sei eigentlich eine englische Stadt, in der man ab und zu ein paar Einheimische träfe.
Im Februar wird Karneval gefeiert mit dem bekannten Blumenkorso.
Meine Partnerstädte sind Nürnberg und Sankt Petersburg.

Um ein pünktliches Mittagessen meiner Bewohner zu fördern, wird jeden Mittag um 12 Uhr eine Kanone
vom Schlosshügel abgefeuert. Ich bin auch eine grüne Oase mit ganz vielen und schönen Parks und Gärten.
Auf meinem Hausberg steht das älteste Observatorium Europas. Ich habe einen Garten Eden und eine Engelsbucht.

Bei mir gibt es Salat und keine italienischen Fladen - obwohl man es meinen könnte."

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Dieses Rätsel war nicht schwer; nach ein paar Minuten wusste Martina wohin die Reise gehen würde. Was soll ich sagen, selten haben wir ein besseres Wochenende verbracht. Sowohl Hin- als auch Rückflug verliefen planmässig, der Taxifahrer, der uns vom Flughafen zu unserer Wohnung brachte, war bestens instruiert und hatte sowohl die Schlüssel als auch den Umschlag mit den Begrüssungsdokumenten dabei. Das Appartement lag sehr zentral, in Gehweite von der Altstadt und der Promenade des Anglais. Wir hatten eine hübsche Zweizimmer-Wohnung mit kompletter Ausstattung, einem gefüllten Kühlschrank und allem, was man sich für ein Wochenende so wünscht.

Am Samstag erkundeten wir die Stadt. Ein Spaziergang auf der Promenade mit dem Geruch des Meeres führte uns zu besagtem Schlosshügel. Bevor wir hochstiegen, besuchten wir den Yachthafen von Nizza auf der anderen Seite des Hügels um die Investitionen der Superreichen zu bewundern (Segelyachten) bzw. zu verspotten (Motoryachten). Dann ging es hinauf zu den Burgruinen von Nizza. Von oben hat man einen tollen Blick auf die Bucht und Altstadt von Nizza. Zu dieser stiegen wir ab und schlenderten durch die alten Gassen und Geschäfte. In der Mittagspause genossen wir einen Salat, kühle Getränke und die Vorführung brasilianischer Capoeira-Tänzer.

Am Nachmittag besichtigten wir das "moderne" Nizza. Wir waren angetan von den vielen und gut erhaltenen Belle-Epoche Bauten, der Promenade du Paillon mit der sehenswerten Springbrunnen-Anlage ("es ist wie über Wasser laufen") und der verzauberten russisch-orthodoxen Kathedrale Saint-Nicolas. Bei der Suche nach einem Dinnerlokal orientierten wir uns an den Empfehlungen unseres Vermieters. Leider waren diese Restaurants entweder menschenleer oder überfüllt. Schlussendlich entschieden wir uns (ganz unfranzösisch) für das Lokal "o'Palermo", wo wir die beste Paella ever verspeisten (mit ganz vielen frischen Miesmuscheln).

Für den Sonntag war eigentlich ein Ausflug zum Observatorium geplant. Laut Auskunft der Touri-Info hat dieses jedoch nur ein zwei Tagen in der Woche geöffnet und erfordert eine Anmeldung. Stattdessen bekamen wir zwei Empfehlungen für Wandertouren in der Nähe: 1. vom Dörfchen Èze hinauf zum Fort de la Rèvere oder 2. eine Wanderung rund um das Cap-Ferrat. Nach langem Überlegen (Martina durfte ihre Geburtstagswanderung aussuchen) entschieden wir uns für das Cap-Ferrat. Mit dem Bus waren wir schnell dort und umrundeten das Cap im Uhrzeigersinn von Saint-Jean an der Ameisenbucht bis zur Baie de l'Espalmador im Westen der Halbinsel.

Da die Tour schneller gemacht war als gedacht, besichtigten wir auch noch die Villa Ephrussi de Rothschild, was überhaupt kein Fehler war. Selten haben wir einen solche wunderbaren botanischen Garten gesehen. Dieser unterteilt sich in neun Themen: florentinisch, spanisch, französisch, exotisch, Steingarten, japanisch, Rosengarten, provenzalisch und Sèvres. Das highlight ist der französische Garten mit seiner klassischen Musik und den passend getakteten Springbrunnen. Unser Besichtigung der Villa Rothschild wurde durch einen excellenten Audioguide unterstützt. Dort gibt es vieles über das Leben und den Geschmack der Beatrice de Rothschild zu bestaunen.

We love Nizza.