Skandinavien_LogoSkandinavien ist uns nicht unbekannt, wir waren bereits zweimal in Stockholm, verbrachten ein Geburtstagswochenende in Olso und hatten auf unserer Rückreise von Island, einen unfreiwilligen aber schönen Aufenthalt in Bergen. Ausserdem unternahmen wir in 2018 eine Rundreise durch Dänemark.

Da uns jedoch immer noch die volle Nordland-Erfahrung fehlte, haben wir in diesem Jahr unsere Sommerferien bei einer Rundreise durch Skandinavien verbracht. Zur besten Reisezeit, nämlich vom 12. bis 28. Juni 2019, bereisten wir die Länder Schweden, Finnland und Norwegen, mit dem Auto, zu Fuss und mit dem Schiff.

Knapp die Hälfte der Reisezeit verbrachten wir oberhalb des Polarkreises um die Mitternachtssonne voll auskosten zu können. Der weitere Teil des Artikels beschreibt unsere Reiseroute und die schönsten Erlebnisse.

Unsere Rundreise begann mit dem Flug von Zürich nach Oslo mit Scandinavien Airlines; zwar hatten wir bei Swiss gebucht, das Code-Sharing bei der Star Alliance verhinderte jedoch, dass wir erhielten was wir gebucht hatten. Ausnahmsweise war der Flug pünktlich und verlief ohne Komplikationen. Von Scandinavien Airlines raten wir trotzdem ab; ohne Bezahlung gibt es an Bord nicht einmal ein Glas Wasser (bei Swiss Preisen, versteht sich).

Wie üblich, hatten wir einen Kleinwagen bei Hertz gebucht und wurden beim Empfang positiv überrascht. Wie schon so oft, erhielten wir ein Upgrade auf einen nagelneuen VW-Golf. Die Reiseroute ist auf der Karte dargestellt und verlief von Oslo aus gegen den Uhrzeigersinn. Die einzelnen Tagesetappen sind farblich unterschiedlich eingezeichnet. Die mittelblaue Strecke von Tromsö nach Trondheim dauerte drei Tage und fand auf dem Hurtigruten-Schiff 'Vesteralen' statt.

 

Skandinavien-Tour

Unsere Reiseroute gegen den Uhrzeigersinn

 

Die Route

Da wir nachmittags auf dem Osloer Lufthaven ankamen, war die erste Tagesstrecke eher kurz. Wir fuhren durch die Norwegischen Wälder, überquerten die Grenze nach Schweden und fanden in der Torsby-Lodge eine sehr angenehme Unterkunft. Dann ging es weiter durch schwedische Wälder bis zum Bottnischen Meerbusen nach Enanger am Meer. Von dort Richtung Nordosten nach Umea und am nächsten Tag weiter nördlich bis Lulea. Dann überquerten wir die Grenze nach Finnland und machten einen Abstecher in den Tierpark von Ranua. Nachmittags fuhren wir nach Norden bis Rovaniemi um am nächsten Tag den Polarkreis zu überqueren. Nordwestlich des Inari-Sees bezogen wir in der Lappländischen Tundra unser Quartier am wilden Fluss. Weiterhin auf nördlicher Route erreichten wir den nördlichsten Punkt der Rundreise, die Kleinstadt Hammerfest. Die 300 km Strecke ans Nordkap sparten wir uns, da wir von Freunden und aus anderen Reiseberichten wussten, dass sich diese Extratour nicht lohnt.

Von Hammerfest führte unsere Strecke nach Südwesten über Sörkjosen in der Nähe des malerischen Lyngenfjords bis nach Tromsö. Dort verluden wir das Auto auf das Hurtigruten-Schiff Vesteralen und verbrachten die nächsten drei Nächte auf dem ehemaligen Postschiff. Die Route führte zwischen dem Festland und den Vesteralen und den Lofoten bis nach Trondheim. Den nächsten Tag verbrachten wir im Dovre Nationalpark in Valasjö und unsere letzte und schönste Unterkunft fanden wir in Fluberg auf Granum Gard. Am letzten Tag fuhren wir von Fluberg direkt zum Flughafen in Oslo, wo wir den Heimflug nach Zürich antraten.

 

Die schönsten Eindrücke und Erfahrungen

Während unserer Reise gab es herrliche Landschaften, geschichtsträchtige Unterkünfte und interessante Begegnungen mit Land, Leuten und Tieren. Die Höhepunkte fassen wir hier zusammen.

Trotz Regen war unsere erste Unterkunft in der Torsby-Lodge ein Aufenthalt, den wir gerne verlängert hätten. Das alte rote Holzhaus mit dem schönen Garten am See, war eine Pracht. Von der Gastfreundschaft der Besitzer (ein holländisches Ehepaar) waren wir angenehm überrascht. Nicht nur wurden unsere Bären von der Wirtin ins Zimmer getragen, auch erfuhren wir einiges über den Auf- und Umbau der Lodge und den Grund für den überwiegend roten Anstrich der Gebäude in Schweden. Früher wurde diese Farbe aus dem Steinstaub der nahegelegenen Erzminen, vermischt mit Öl gewonnen. So ergab sich eine haltbare und preiswerte Farbe für fast alle Gebäude. Heutzutage wird nicht mehr das Originalrezept verwendet, der Farbton wurde jedoch beibehalten.

Am nächsten Tag entdeckte Martina den ersten und einzigen Elch unserer Reise am Strassenrand. Leider verzog er sich schnell ins Gebüsch; so schnell, dass ich kein Foto machen konnte und aufgrund der Kamerakramerei auch nur für den Bruchteil einer Sekunde einen Blick auf das stolze Tier erhaschen konnte. Auf der Strecke entlang des Bottnischen Meerbusens besuchten wir das kleine Fischerdorf Bönhamn, welches an einer malerischen Badebucht gelegen ist. Die Schönheit des Ortes wurde leider von grauem Himmel und starkem Regen getrübt. Auch Lulea gefiel uns sehr gut; hier schien die Sonne vom blauen Himmel und wir streiften durch die schöne Fussgängerzone mit ihren kleinen Geschäften und bunten Holzhäusern. Westlich von Lulea besuchten wir das für Skandinavien einzigartiges Kirchendorf Gammelstad. In vergangenen Zeiten bestand für die Bauern und Einwohner der Umgegend eine Kirchenpflicht, wonach sie in bestimmten Zeitabständen (abhängig von der Entfernung) am Wochenende die einzige Kirche in Gammelstad besuchen mussten. Durch diese Pflicht entwickelte sich rund um die Kirche ein Dorf aus einfachen roten Holzhütten, die nur dem Zweck des wiederkehrenden Kirchenbesuchs dienten. So entstanden über wenige Jahre 480 einfache und gleichförmige Hütten, die heute noch als Wochenendhäuser verwendet werden.

Auf der Fahrt von Lulea nach Rovaniemi machten wir einen Abstecher nach Osten in den Tierpark von Ranua. Dieser grosszügig angelegte Park bietet einen guten Einblick in die skandinavische Tierwelt. Neben Rentieren, Grosseulen und Adlern, gab es Moschusochsen und Elche zu sehen. Die Elche weigerten sich aufzustehen und ihre wahre Grösse zu präsentieren, lagen jedoch in Streichelnähe direkt am Wegesrand. Das Highlight dieses Tierparks war jedoch ein grosser Eisbär, der in seinem riesigen Wasserbecken grandiose Kunststücke mit seinem überdimensionalen Wasserball vollbrachte. Wir konnten uns daran gar nicht satt sehen.

In Rovaniemi besuchten wir eine Samen-Ausstellung, angelegt als Freilichtmuseum. Dort erfuhren wir einiges über die Kultur der Samen, deren Dorfgeschehen inklusive Hüttenbau und Fallenstellung für die Grosstiere der Tundra. Beim Rentierfang mit dem typischen Samenlasso, stellten wir uns gar nicht so dumm an. Unsere Unterkunft 'Giellajohka' nordwestlich des Inari-Sees, lag inmitten der Natur am wilden Fluss. Dort konnten wir uns gut vorstellen, wie Bären die Lachse aus dem Wasser fangen. Trotz oder wegen der landschaftlichen Schönheit der Tundra, waren die Mücken hier klar in der Überzahl und liessen sich nur durch gehörige Mengen Antibrumm ertragen.

Auf der Fahrt vom Inari-See zu unserem nördlichsten Reisepunkt, der Stadt Hammerfest, durchquerten wir die landschaftlich reizvollen Hochebenen der finnischen Tundra und sahen ganze Rentierherden. Der Abstecher zum Nordkap hätte für einen Umweg von 300 km bedeutet, weshalb wir darauf verzichteten. Freunde hatten uns davon abgeraten, da sich die lange Fahrt für zwei Fotos und einen nackten Felsen nicht lohnen würde.

So erreichten wir Hammerfest, wo uns eine unerwartete Begegnung mit einem Belugawal überraschte. Das Tier namens 'Hvaldimir' wurde von Tierschützern aus einem Aquarium befreit und im Hafenbecken von Hammerfest ausgesetzt. Seitdem kümmern sich die Einwohner der Stadt und Experten um sein Wohlergehen. Täglich wird er mit Heringen gefüttert und sein Körper auf Verletzung untersucht. Das Tier hat nie gelernt sich einer Herde anzuschliessen oder selbstständig zu jagen, weshalb er nur die gefütterten Heringe frisst. Obwohl der Weisswal es könnte, verlässt er nie das kleine Hafenbecken und kann daher jederzeit beobachtet werden.

Auf der Strecke nach Tromsö hatten wir einen schönen Wandernachmittag auf den Inseln Sommaroy und Hillesoya. Dort bestiegen wir den 216 m hohen Nordkollen, von wo aus man einen Ausblick auf die Karibikstrände des Nordmeeres hat. Rund um die beiden Inseln erstrecken sich kleine malerische Buchten mit weissem Sandstrand und türkisfarbenem Wasser. Zufällig trafen wir auf dem Gipfel die beiden Schweizer, die wir bereits in Giellajohka kennengelernt hatten - die Überraschung war auf beiden Seiten gross. Von der Stadt Tromsö bleiben uns auch die drei Kreisverkehre inmitten des Stadttunnels in Erinnerung.

In Tromsö schifften wir uns auf das Hurtigruten-Schiff 'Vesteralen' ein und verbrachten drei Tage auf der 1100 km langen Postroute. Wir durchquerten die Meerengen zwischen dem norwegischen Festland und der Inselgruppe der Vesteralen, fuhren durch den Vestfjord entlang der Lofoten und machten einen Abstecher in den Trollfjord. Im weiteren Verlauf der Seereise verliessen wir wieder den Polarkreis, besuchten einige kleine Küstenorte in den Fjorden und erreichten alsbald Trondheim.

In Trondheim gefiel uns besonders die alte Speicherstadt, in der die hohen und schmalen Holzhäuser auf Stelzen an dem Fluss Nidelva gebaut wurden. Ausserdem besuchten wir den Nidarosdom, in dem alle norwegischen Könige gekrönt werden. Der Dom ist eng mit dem Stadtgründer Olav dem Heiligen verbunden, dem auch die Pilgerwege quer durch Norwegen gewidmet sind. Eine Spezialität Trondheims ist auch der Fahrrad-Lift, der von der Nidelva hinauf zur Kristiansten-Festung führt. Damit kann man sich die steile Strasse hinaufziehen lassen.

Weiter südlich bezogen wir unser Quartier in der Dovregubbens Hall, von wo auch wir den Berg Mehoe in einer dreistündigen Wanderung umrundeten. Dabei waren wir auf dem genannten Pilgerweg unterwegs. Gegen Ende der Strecke verloren wir uns trotz gutem Kartenmaterial in den allgegenwärtigen skandinavischen Sümpfen. Es lag weniger an unserer Unfähigkeit, sondern mehr an den weggeschwemmten Brücken. Dennoch fanden wir auf unseren Weg wieder trockenen Fusses zurück.

Der letzte Aufenthalt unserer Rundreise war wohl der schönste. 100 Meter oberhalb von Fluberg am Randsfjord (es ist gar kein Fjord) gelegen, kehrten wir im Granum Gard Pensjonatet ein. Das Gästehaus aus der Mitte des 19ten Jahrhunderts bietet eine einzigartige Gastfreundschaft und Geschichte. Marianne taute extra für uns Moltebeeren auf, als wir ihr sagten, dass wir diese auf der ganzen Tour nirgendwo gefunden hätten. Sie erzählte uns viel von der Geschichte des Anwesens, unter anderem über die 5-jährige Besatzungszeit von Granum Gard während des Zweiten Weltkrieges.