Rom Hurra! Was für ein tolles Geschenk hat Martina mir gemacht! Ein ganzes langes Wochenende in der ewigen Stadt. Ende März war es endlich soweit. Nach dem Studium von Reiseführer, Zeitschriften und einem Roman über Rom waren wir optimal vorbereitet auf die Stadt der Städte in Europa.

 

Rom, Hauptstadt Italiens und Sitz des Stellvertreters Christi samt seinem Vatikanstaat, dem kleinsten Staat der Welt - was für ein einmaliges Gebilde unter den Metropolen! Selbst der Genius der Worte, der grossen Dichter Goethe war so von "Kirch und Palast, Ruinen und Säulen" überwältigt, dass es ihm (zumindest für einen Moment) die Sprache verschlug. Die Stadt auf den sieben Hügeln mit ihrer 2760 jährigen Geschichte hat so viel Schätze, dass kein Computerprogramm dies je katalogisieren konnte...und was machen die Römer damit? Ja sie gehen mit dieser Pracht und Herrlichkeit eher lässig um, bildet doch genau diese die Kulisse für ihr Lebensgefühl, das 'fare bella figura'.

Noch bevor ich mit Ralf in Rom landete durchwanderte ich mit dem Buch 'Principessa' diese Stadt, lernte Francesco Borromini und Gianlorenzo Bernini kennen, erlebte mit ihnen die Ära um Papst Urban VIII., Papst Innozenz X. und Papst Alexander VII., war beim Bau des bronzenen Hochaltares im Petersdom und der Erneuerung der Hauptkathedrale Roms San Giovanni in Laterano dabei und erfuhr von der Kolonade im Palazzo Spada..."nichts ist wie es scheint", ein Geniestreich der Architektur, eine optische Täuschung, die noch heute verwirrt, schaute Borromini und Bernini heimlich über die Schulter in ihre Pläne für die Piazza Navona, Piazza San Pietro, Fontana dei Quattro Fuimi, Fontana di Trevi.

Eine Woche bevor unsere Romreise losging schenkte mir Ralf den Cityguide von Marco Polo. So konnte ich nun sogar mit Stadtplan mein Buch zu Ende lesen und Ralf zeigen, was wir uns unbedingt ansehen müssen. Es war schon komisch, ich sah die Stadt in Gedanken vor mir, machte mir durch die Erzählung im Buch und den Bildern und Beschreibungen im Guide mein eigenes Bild zu Rom und hoffte sehr, dass dies nicht enttäuscht wird...zu schön war meine Vorstellung.

bogen Der Beginn unserer Reise war noch etwas holprig. Wir hatten für 6 Uhr ein Taxi bestellt was nicht kam also riefen wir bereits auf der Strasse stehend die Taxizentrale an um uns über den Verbleib unseres Chaufeurs zu erkundigen...er sei auf dem Weg...ok also warteten wir und eine Minute später klingelte mein Handy und das Taxi wurde uns nochmal als "es kommt gleich" bestätigt und zwei Augenblicke später bog es in die Strasse ein. Wir waren erleichtert und liessen uns, mit den Gedanken schon längst in Rom, in die Polster sinken...UND...ja da klingelte doch schon wieder mein Handy (ich war heute morgen eine gefragte Frau - hihihi)...wo wir denn sind, das Taxi ist da. Ich glaube wir guckten ziemlich blöd aus der Wäsche, was Gott sei Dank niemand sah...ja, wir sassen bereits im Taxi auf halben Weg zum Flughafen...wieso stand noch ein Taxi vor unserer Tür??? Nun, der jetzt umsonst geschickte Taxifahrer nahm es gelassen und meinte im perfekten sächsisch "Abor sie gönnen doch nisch einfach en anderes Daxi nähmen aber nu, nu iss gud". ROM wir kommen!

Polizei Am Flughafen in Rom wartete bereits ein von Hotel bestelltes Taxi um uns durch den berühmt berüchtigten römischen Verkehr auf die andere Seite der Stadt zu bringen. Es war eine teilweise abenteuerliche Fahrt durch enge Gassen, wo zwischen den parkenden Autos und unzählichen Mopeds nur noch eine Autobreite Platz war, auf Strassen wo der Verkehr nicht durch fein säuberlich aufgemalte weisse Linien fahrspurgetrennt geregelt wird sondern jeder einfach fährt und ich so manches Mal dachte das Taxi verliert einen seiner Aussenspiegel...nein es lief, zumindest für Römer, problemlos und jeder verstand das Hupsignal des anderen ohne den Zusatz von "Vogelzeigen", "Tierbeschimpfungen" oder "Fingerzeiger".

Unser Hotel Ars...klein, fein, modern saniert, ruhig und wir waren in ca 15 min mit dem Bus in der Innenstadt. Das einzige Manko...Frühstück nur bis 10 Uhr und wir sind doch Langschläfer!

Nun aber auf in die Stadt!
Wir teilten uns Rom in drei Tagespläne ein. Wir hatten neben der kompletten Stadtbesichtigung inkl. Piazzas, Palazzos, Kathedralen und Kirchen auch noch vor schöne Kleider für das Event von Ralfs Firma und was Süsses für die Hasen zu kaufen.

 

Colosseum Unsere Entdeckungsreise begannen wir, nach der Erfahrung, dass man in Rom besser mit der Metro statt dem Bus durch die Stadt fährt, weil der Bus durch das ständige Anfahren kaputt geht!! und man letztendlich doch per pedes besser voran kommt, am Kolosseum. Dort erschlug uns gleich der Tourismus mit voller Wucht. Verkleidete Cäsaren, römische Legionäre, Gladiatoren boten sich für Fotos an, das Kolosseum nur zu besichtigen mit stundenlangem Anstehen...nach den Kosten haben wir gar nicht gefragt aber in Anbetracht dessen, dass man im Forum Romanum fast 20 Euro für 2 Personen berappen muss um ein paar Treppen zu besteigen, möchte ich nicht wissen was im Kolosseum verlangt wird. Tourismus ja und sicher, der Erhalt der historischen Bauten kostet - aber so oft wird mit dem Eintritt doch übertrieben. Das Forum Romanum ist riesig, interessant und beeindruckend, allerdings fehlen Informationstafeln...wie sah das Gebäude damals aus, was hat es für eine Bedeutung. Wir hatten dummerweise unseren Marco Polo zu Hause vergessen und sind oft sehr ratlos dagestanden. Eigentlich schade, weil es doch eine bedeutende Ära für Rom war.

 

Also verliessen wir das Forum Romanum und entdeckten ganz unerwartet...MEINE Kirche! Ja wirklich die Kirche heisst Santa Maria della Martina...ich bin eine Heilige.

 

Dolce far niente

Wir marschierten weiter gen Innenstand an der bekannten Taianosäule vorbei zur Via Corso und bogen frei Schnautze, da uns die Via Corso zu befahren war, in die Seitengassen ein und oh wie schön, Rom wie man es sich vorstellt...kleine Piazzas die in keinem Cityguide verzeichnet sind und darauf warten entdeckt zu werden, Gassen und wundervolle alte Gebäude. Hier fanden wir auch unser Nachmittagslunchrestaurant, auf der Piazza S. Ignazio. Wir speisten lecker, natürlich typisch italienisch obwohl die Zusammenstellung der Speisen in Rom doch sehr abweicht von den italienischen Restaurants zu Hause. Das ist aber auf jeden Fall kein Manko, nein eher viel viel leckerer, autentischer und soooooo italienisch.


Weiter ging es zum Pantheon...wow was für eine Kuppel, deren Grösse unvorstellbar, man muss es gesehen haben. Licht erhält das Pantheon nur durch die 9m breite Kuppelöffnung, bei Sonnentagen ein beeindruckendes Lichtspiel im Inneren. Ungewöhnlich, dass so ein Bauwerk zu ebener Erde zu betreten ist, war es doch üblich zu solchen monumentalen Bauten hinaufzusteigen und auch Bilder aus „alten Zeiten“ zeigen das Pantheon mit 5 Stufen. Die Antwort: Rom hat im Laufe der Zeit ca. 6m Schutt aufgetürmt, unter dem die antiken Bauten „versanken“.

 

Wir erkundeten die Stadt weiter über die Piazza Novona, wo leider der Vier-Ströme-Brunnen zur Restaurierung und Säuberung im Holzverschlag versteckt lag, dafür aber strahlte S. Agnese in Agone in frischem gesäuberten Steinweiss. Ja es ist bekannt, dass Rom seine wundervollen Kunstbauten über viele Jahrzehnte schändlich vernachlässigte und erst 1993 durch ihren neuen Bürgermeister Rutelli aus ihrem selbstzerstörerischen Koma erwachte. Von da an wurde geputzt, renoviert und entstaubt was das Zeug hielt und pünktlich zum heiligen Jahr 2000 leuchtet Rom im alten neuen Glanz und präsentiert sich voller Stolz jedem Besucher.

 

Spanische Treppe Aber für heute erstmal genug von History und Kultur, jetzt widmen wir uns den wichtigen Dinge...shoppen ? aber nein, natürlich sahen wir all die kleinen so typisch römisch-italienischen wunderschönen „Ecken und Winkel“ der Gassen, Häuser und Balkone die auch auf den Einkaufsstrassen zu entdecken sind, weil diese nicht - wie in vielen anderen Metropolen - mit riesigen Kaufhäusern zugebaut sind, sondern man viele kleine Läden findet. Da wir so genaue Vorstellungen von unseren geplanten Einkäufen hatten, war die „Abarbeitung“ unserer Einkaufswunschliste doch etwas komplizierter als wir dachten...aber...zum Tages- und Geschäftsende hatten wir alles beisammen und konnten uns zwar ziemlich fusslahm aber doch glücklich über den ersten wunderschönen Tag in Rom auf den Stufen der spanischen Treppe niederlassen und mit einem erfrischendem Bierchen den gemütlichen, zeitlosen Abend beginnen, den wir später in einem gemütlichen Restaurant fortsetzten und unseren Tag Revue passieren liessen.

Petersdom Unseren zweiten Tag starteten wir mit San Pietro, der bedeutendsten Basilika der Christenheit – ein einziger Superlativ. Diese Kirche bedeckt zweieinhalbmal die Fläche des Kölner Doms und kann 60'000 Menschen aufnehmen, ein Grösse die selbst wenn man im Petersdom steht einfach unfassbar ist. Die Höhe erfährt man am realistischsten am Fusse der von Michelangelo gebauten Kuppel, von wo aus die Menschen wie kleine Ameisen aussehen und wagt man sich noch etwas höher eröffnet sich von Dach der Kuppel ein atemberaubender Blick über Rom...dieser Aufstieg lohnt sich, auch wenn es ein wenig Geduld braucht um in der Warteschlange vorzurutschen.

 

Über den Petersdom selbst möchte ich nur kurz berichten, weil die Eindrücke eigentlich nicht wirklich in Worte zu fassen sind, so atemberaubend sind Grösse, Pracht und Geschichte, dass es einen fast förmlich zu erschlagen droht. Vielleicht aber doch zu einem...dem Hochaltar von Gianlorenzo Bernini. Er erscheint einem im ersten Moment aus Holz zu sein und trotz der vier gedrehten Säulen wirkt er leicht und man hat das Gefühl, dass es nur einen Windhauch braucht um die Fransen des mit Tuch bedeckten Daches des Altares in Bewegung zu versetzen. Fast unglaublich, dass der Altar massiv aus Bronze gegossen ist.


Ausserhalb des Domes geht das Staunen weiter, auf der Piazza San Pietro, ein weiteres Meisterwek von Gianlorenzo Bernini, 1667 vollendet und ein Geniestreich an optischer Illusion, denn der kreisförmig anmutende Platz ist in Wirklichkeit eine Ellipse und das flach wirkende Rechteck vor dem Dom ein 4m ansteigendes Trapez. Von kleinen Marmorplatten recht und links des Brunnens betrachtet, verschmelzen die vier Säulenreihen zu einer einzigen Kolonne. Leider waren für die Sonntagsmesse Stuhlreihen aufgestellt, so dass wir zu diesen beiden Punkten nicht kamen...naja, holen wir dann beim nächsten Rombesuch nach.

Petersplatz Vor dem Petersplatz laden Kutschen zu einer gemütlichen Fahrt durch Rom ein, was wir auch für eine tolle Idee hielten, da wir nun doch einige Stunden auf den Beinen waren und es schön wäre per 1 PS gezogenem Gefährt zur Piazza Campo de Fiori zu gelangen. Unsere höfliche Frage nach dem Preis wurde uns mit 150 Euro beanwortet. Da wir mit dem Kutscher Englisch sprachen, dachte ich erst ich hätte mich verhört und auch Ralf sah mich etwas verdattert an aber auf unser nochmaliges „How much?“ änderte sich nichts am Preis. In Anbetracht dessen, dass eine Taxifahrt vom Flughafen zu unserem Hotel (ca. 60 km) 60 Euro gekostet hat stand das auch wenn es noch so was Besonderes und nicht Alltägliches sein soll, in absolut keinem Verhältnis, was die Kutscher natürlich ganz anders sahen, da sie sich als Attraktion Roms betrachten.
Nachdem der Preiskampf nun entbrannt war, wurden uns von zwei anderen Kutschbesitzern noch einige Sonderpreise speziell für uns angeboten und letztendlich hätten wir für nur 90 Euro den ca. 20 min Weg bekommen können. Wir entschieden uns fürs Laufen.

Und das war auch die beste Entscheidung, weil so entdeckten wir, vorbei an der Engelsburg (deren Besichtigung wir vertagten) über die St. Angelo Brücke, auf der Via dei Coronari – für Fans der Antiquität sehr zu empfehlen - eine kleine Piazza mit einem hübschen Restaurant, von dem wir uns gern zum spätnachmittäglichen Lunch einladen liessen.

trevibrunnen1 Unseren Tag wollten wir heute an der Fontana di Trevi beenden. Also schlenderten wir gemütlich durch die Altstadt, vorbei an den wunderschönen Kirchen, Palästen, Piazzas, versteckten romantischen Gassen und Balkonen bis zu einer Eisdiele mit etwa 100 Sorten Eiscreme(!) zur Piazza de Tevi. Und...was waren wir erstaunt, was sich da für ein doch kleiner Platz vor uns auftat, sah dieser doch auf Bildern viel viel grösser aus. Es gab natürlich viele Leute aber trotz allem, durch das Licht, die Stimmung der Piazza, es wirkte romantisch...ein Platz sich zu verlieben. Natürlich liessen wir uns auch hinreissen zum bekannten Münzwurf, weil wer das macht - so die Legende - wird nach Rom zurückkehren...nun war es besiegelt.

 

Unser Nachtessen nahmen wir in einem kleinen Restaurant ganz in der Nähe und planten den nächsten Tag, denn es gab noch immer viel (viel zu viel) was wir sehen wollten.

Sonntagsausschlafritual, oh war das schön. Beim Aufwachen und aus dem Bad verfolgten wir die Sonntagspredicht von Papst Bendikt auf der Piazza S. Pietro. Igendwie war es komisch – nein nicht des Glaubens wegen – eher deswegen, weil wir gestern selbst dort waren und die höchste Figur der Katholischen Kirche, der Vertreter Gottes, den Papst, das Staatsoberhaupt des Vatikanstaates mit dem bemerkenswerten Titel „Bischof von Rom, Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Patriarch des Abendlandes, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit von Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt, Diener der Diener Gottes“ eigentlich nur wenige Meter entfernt wirklich da war. Obwohl ich keinem Glauben angehöre berührte mich das doch unerwartet.

Heute starteten wir bei San Giovanni in Laterano, „Mutter aller Kirchen“; bis zum Exil der Päpste in Avignon (1305 – 1377) war diese erste Basilika der Christenheit auch Sitz des Pontifikats, die Hauptkathedrale Roms. Natürlich ist sie um vieles kleiner als San Pietro aber nur wenig minder prachtvoll in ihrer Ausstattung.

Auf dem Weg Richtung Circus Maximus entdeckten wir in einer Toreinfahrt zu einem kleinen Hospital einen Brunnen, der durch das jahreslang fliessende Wasser schon ganz vom Moos bewachsen war und die Clivio de Scauro enpuppte sich als uralte bepflasterte Strasse mit wunderschönen Torbögen...genau das steht in keinem Cityguide sondern will entdeckt werden.

Der Circus Maximus war hingegen sehr ernüchternd. Nichts erinnerte mehr an die ruhmreichen und spektakulären Wagenrennen der Römer mit bis zu 375'000 Zuschauern. Nun dann weiter zur Bocca della Verita, dem „Mund der Wahrheit“, dem Lügendetektor der Antike. Auch wir wagten den Griff ins Steinmaul und...wir bestanden beide den Treuetest ;-)

Oje uns rannte die Zeit davon. Nun mussten wir uns fast sputen, denn das nächste Ziel war der trapezförmige Campidoglio, umrahmt von drei Palazzos um 1536 von Michelangelo gestaltet und mittig „gekrönt“ von dem berittenen Kaiser Aurel, der heute allerdings nur noch als Kopie auf dem Platz steht, da das Original aus dem 2. Jh. vor Umweltschäden beschützt im Musei Capitolini hinter Glas steht.

spada Unser letztes Ziel, der Palazzo Spada mit einer kleinen, von Francesco Borromini entworfenen Kolonade, einem Geniestreich der Architektur und Verwirrung für die Augen. Die Kolonade wirkt doppelt so lang wie sie in Wirklichkeit ist, die Figur am Ende kommt einem mannshoch und ist doch nur 1 m gross. Auch wenn man sich noch so anstengt, es gibt keinen Ausweg, man unterliegt dieser optischen Täuschung, einfach faszinierend.
Mit diesen Eindrücken suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen auf der Piazza Campo de Fiori, unser letzter Abend in Rom. Die Zeit verging doch viel zu schnell und es war doch so schön, viel zu schön um schon nach Hause zu fahren.

 

Aber Rom steht nicht erst seit gestern und es wird weiterhin in seiner Pracht existieren und sicher noch schöner sein, wenn wir ein anders mal wiederkommen. Wir haben es an der Fontana di Trevi besiegelt, wann immer es auch sein wird...

Hier sind die Bilder unserer Reise.