New YorkWährend andere ihre Weihnachtsgeschenke verpackten, durften wir unseres schon aufreissen. Statt Socken, Krawatte und iPad lag bei uns eine Reise nach New York auf dem Gabentisch. Vom 16. - 20. Dezember 2010 flogen wir mit der Swiss zum Big Apple. Gleichzeitig war die Reise auch das Geburtstags- und Abi-Geschenk für Elisa.

Für Martina und Elisa sollte dies der erste Besuch New York's sein, ich hatte vor zwei Jahren bereits einen Nachmittag Zeit für einen kurzen Stadtrundgang. Man hat nie genug Zeit für eine Stadt und muss sich die Rosinen aus dem Kuchen picken. Soviel sei vorweg genommen; es ist nicht einfach die Rosinen in dieser grossartigen Stadt zu finden weil es so viele davon gibt. Wer wissen möchte, welche Rosinen wir gefunden haben, erfährt es in diesem Artikel.

 

Donnerstag
Nach einem Flug ohne besondere Vorkommnisse landeten wir am Donnerstagmittag auf dem John F. Kennedy International Airport. Mit dem Airtrain gelangt man zügig zur Jamaica Station in Queens von wo aus man Anschluss an das normale New Yorker U-Bahn Netz hat. Einige Reiseführer empfehlen mit dem Taxi von JFK in die Innenstadt zu fahren, Zitat: „diese Variante (Airtrain/Subway) spart keine Zeit und ist nur Ortskundigen ohne Gepäck zu empfehlen“. Das Gegenteil ist richtig, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man bequem, preiswert und zügig nach Manhattan. Für den Weg vom Flughafen bis zu unserem Hotel am Central Park brauchten wir eine knappe Stunde. Mit dem Taxi schafft man das auch nicht schneller zahlt aber zehnmal mehr.

Xmas Tree at Macy'sUnser Hotel „On the Ave“ liegt an der Ecke 77ste/Broadway also an der Upper West Side ungefähr auf mittlerer Höhe zum Central Park. Von dort gelangt man mit der Subway schnell zu den Tempeln des Konsums (wichtig für's Weihnachtsshopping), kann aber auch zu Fuss zum Central Park wandern. Unseren ersten Stunden nutzen wir für einen Besuch bei Macy's, dem grössten Kaufhaus der USA. Es erstreckt sich entlang eines ganzen Häuserblocks zwischen siebter und sechster Avenue und bietet Waren auf acht Stockwerken feil. Während das Interieur im Erdgeschoss den hölzernen Charme vergangener Jahrzehnte ausstrahlt, erinnern die höheren Etagen eher an C&A. Der Gang durch die Parfum- und Kosmetikabteilung kommt einem Spiessrutenlauf gleich. Beidhändig zielt die Hundertschaft der Verkäufer mit Flakons auf die Kunden. Bei der Fahrt hinauf gibt es teilweise sogar noch alte Rolltreppen aus Holz zu bestaunen. Im obersten Stockwerk befindet sich die wirklich sehenswerte Weihnachtsabteilung. Hier sind echte amerikanische Weihnachtsbäume ausgestellt die in ihrem Überschwang und Kitsch fast eine eigene Kunstform darstellen. Sie sind über und über mit Kugeln und Figuren behangen so dass vom Grün der Kunsttannen fast nichts mehr zu sehen ist.

Weiter ging es über die Avenue of the Americas (6th Av.) bis zum Rockefeller Center, dem Nabel des New Yorker Weihnachtsgeschehens. Dort befindet sich unter der goldenen Prometheus-Statue die berühmte Eislauffläche im Schatten der grossen Weihnachtstanne. Wer bereit ist sich in die lange Warteschlange einzureihen und knapp 40 Dollar auf den Tisch legt, darf ein paar Kreise auf dem Eisfeld ziehen. Wir begnügten uns mit dem Anblick der Pracht und zogen weiter zum Time Square. Der „Zeitungsplatz“ (The New York Times Square) ist bekannt für seine Leuchtreklamen und Musicaltheater die sich rund um die Platz befinden. Hier herrscht eine ganz besondere Stimmung hervorgerufen durch die Million Lichter, die vielen Menschen und das Flackern der Reklamen: „big lights will inspire you“, wie Alica Keys singt. Eine breite rote Glastreppe mitten auf dem Platz war der ideale Ort um auf dem Square für Fotos zu posieren.

Freitag
Der nächste Tag begrüsste uns mit Sonnenschein und eisigen Temperaturen. Nach einem gemütlichen Frühstück in Hotelnähe bei Cosi auf dem Broadway gingen wir Richtung Central Park. Die grüne Lunge New Yorks hat mit 4 Quadratkilometern eine beachtliche Grösse, die immerhin 6% der Fläche Manhattan's einnimmt. Der Park ist mit seinen Hainen, Rasenflächen und kleinen Hügeln sehr vielfältig gestaltet. Von hier hat man eine gute Aussicht auf die alten und neuen Gebäude der Upper East und West Side darunter das legendäre „Dakota“ vor den „Strawberry Fields“, dem Wohnsitz vieler Filmschauspieler. Selbst bei dem eisigen Winterwetter spielte vor der „Terrace“ ein Jazzsaxophonist auf. Unser Weg führte uns Richtung Downtown durch den Zoo im Park zur 5th Avenue, die an der Südost-Ecke vom General-Motors-Building und dem Plaza-Hotel eingerahmt wird.

Empire State BuildingDas schöne Wetter mit der guten Fernsicht war ideal für die Besichtigung des höchsten Wolkenkratzers von New York, dem Empire State Building. Nach dem Einsturz des World Trade Centers ist dieser Turm wieder die Nummer 1 in der Stadt. 1930 wurde das Gebäude in nur 14-monatiger Bauzeit erstellt. Es ist knapp 400 m hoch, hat 102 Stockwerke die über 73 Aufzüge erreicht werden. Im 86. Stock gibt es eine Aussichtsplattform, die einen phantastischen Blick auf New York und das Umland bietet. Wer die Einlassprozedur mit mehrfachem Anstehen hinter sich gebracht hat, den erwartet ein Highlight jeder New York Reise. Der Audioguide erläutert in acht Stationen rund um die  Plattform die Aussicht in alle Himmelsrichtungen und erzählt dabei Geschichten und Wissenswertes über die Stadt aus Sicht eines deutschen Einwanderers. So erfährt man allerhand über die einzelnen Stadtteile, Gebäude, Brücken, Flüsse und die vorgelagerten Inseln.

Ein Geheimtipp für den New York Reisenden ist der Besuch der Public Library auf der 5th Avenue. Zwei steinerne Löwen (Lord Astor und Lady Lenox) bewachen die breite Treppe zur 1911 eröffneten Bibliothek, die mit 16 Millionen Büchern zu den grössten der USA gehört. Das symmetrisch angelegte Gebäude überrascht in der Eingangshalle mit Gemälden  im Kassettengewölbe der Decke. Im ersten Stock befinden sich die Lesesäle. Die beiden Grössten sind wiederum symmetrisch in den Gebäudeflügeln untergebracht und werden durch einen Holzgang von einander getrennt der die Ausleihe und Rückgabe beherbergt.  In den beiden gut besetzten Lesesälen erhellen Stehlampen mit Goldschirmen das gedruckte Wort und wecken Erinnerungen an amerikanische Filmklassiker.

Samstag
Für unser Frühstück wählten wir dieses mal das „Nice Matin“ auf der  79th/Amsterdam Av. aus und fuhren dann mit der Subway bis an die Südspitze Manhattan's in den Battery Park. Von dort sieht man die Freiheitsstatue und Ellis Island mit dem Einwanderer-Museum in der Ferne. Von hier aus sind es nur ein paar Schritte bis zum Haus „Broadway No. 1“. Der Broadway ist ein alter Indianerpfad, der sich heute von der Spitze Manhattan's über 25 km weit über die Innenstadt hinaus bis zur Hausnummer 6697 zieht. Geht man den Broadway hinauf, so taucht bald eine Menschentraube in der Mitte der Strasse auf. Darunter versteckt sich der berühmte Bronzebulle, der als Symbol für aufsteigende Aktienkurse das Haustier des Financial Districts ist. Einen Steinwurf weiter steht man bereits auf der Wall Street, die das alte New York früher mit einer Stadtmauer gegen Norden und gegen marodierenden Indianer schützte. Es ist schwer sich vorzustellen, dass die Stadt hier einmal ihre Grenze hatte. Die Wall Street wird von den Wolkenkratzern der grossen Finanzinstitute gesäumt, hat jedoch im Gegensatz dazu den Charakter einer kleinen Fussgängerzone.

Von der Wall Street gelangten wir in die Hafengegend am East River südlich der Brooklyn Bridge. Hier finden sich viele Souvenir Shops und Restaurants rund um den Fulton Market der an Covent Garden in London erinnert. New York zeigt hier nicht mehr sein grossstädtisches Gesicht sondern hat eine heimelige, fast provinzielle Atmosphäre. Entlang der Pearl Street kommt man zum mächtigen Bauwerk der Brooklyn Bridge. Die "Sehnsuchtsbrücke" war lange Zeit das Wahrzeichen New York's und Symbol für ein besseres Leben auf der reichen Seite Manhattan.

Brooklyn BridgeDer Weg nach Norden führte uns als nächstes nach China Town. Dieser Stadtbezirk macht seinem Namen alle Ehre; ganz plötzlich wechseln sowohl die Architektur als auch die Menschen - „Willkommen in China“. In einer asiatischen Garküche essen wir für günstige 4.50 $ zu Mittag, während ein paar Strassen weiter eine Prozession mit Trommeln  den Auftakt zum chinesischen Frühlingsfest feiert. China Town geht nahtlos in Little Italy über, wobei hier von Italien absolut nichts zu spüren ist. Weiter im Westen spazierten wir in den Bezirk mit dem Namen „South of Houston Street“, besser bekannt unter dem Begriff „SoHo“. Hier wird das Strassenbild von kleinen Shops, Designerläden, Galerien und Bars bestimmt. Das setzt sich im Ausgehviertel Greenwich Village fort. Bars, Restaurants und Musikkeller reihen sich dicht an dicht. Wird Manhattan's Skyline ansonsten von Wolkenkratzern geprägt, so hat die Bebauung in dieser Gegend eher europäischen Charakter. Wir setzen unseren Stadtrundgang Richtung Norden fort und gelangen bald wieder in die Hochhausgegend jenseits der 34sten Strasse. Im Chrysler Building bewundern wir die Art Deco Elemente im Entree des markanten Gebäudes. Eine Anekdote erzählt, dass im Eröffnungsjahr 1930 ein Wettstreit mit dem Turm der Bank of Manhattan um das höchste Gebäude zu dieser Zeit stattfand. William van Alen, der Architekt des Chrysler Buildings liess die charakteristische Spitze mit den Metallbögen im Inneren des Gebäudes montieren und hiefte sie im letzten Moment, in nur 1 1/2 Stunden mit einem Kran auf das Gebäude. Sein Konkurrent konnte darauf nicht mehr reagieren und verlor den Wettkampf um die Höhe.

Am Abend besuchten wir den schönsten Bahnhof New York's, das Grand Central Terminal (oft irrtümlich als „Grand Central Station“ bezeichnet). Das Gebäude ist der grösste Bahnhof der Welt und fasziniert durch seine grosszügigen Räume und die vielen Jugendstil-Elemente. Insbesondere die Decke der Haupthalle ist bemerkenswert; sie zeigt einen dunkelblauen Nachthimmel mit gemalten Sternzeichen.

Sonntag
Time SquareDer letzte Tag in New York war zugleich auch mein Geburtstag. Wir nutzten die verbleibenden Stunden vor der Rückreise mit einem Besuch des „Museums of Modern Art“. Das MoMa ist die weltweit bedeutendste Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst. Neben den üblichen Verdächtigen wie Picasso, Degas, Kandinsky, Mondrian und Andy Warhol enthält es viele Designobjekte des täglichen Bedarfs wie den VW Käfer, Möbel, Rasierer, Telefone und vieles mehr.

Eine letzte Stipvisite in den Geschäften der 5th Avenue und dem Time Square beschlossen unsere Reise in einer der aufregendsten Städte der Welt. New York fasziniert und inspiriert durch ihre schiere Vielfalt an Kulturen, Stilen und Gigantismen. Die Stadt ist immer eine Reise wert und kann beliebig oft wiederholt werden; es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Für unsere nächste Visite im Big Apple werden wir eine warme Jahreszeit wählen und uns fern ab der eingetretenen Touristenpfade bewegen. Die unentdeckten Stadtteile bieten sicher Kleinode und Überraschungen, die vom New York Christmas Shopper übersehen werden.

Zum Schluss ein weiteres Zitat von Alicia Keys:

There's nothing you can't do
Now you’re in New York
These streets will make you feel brand new

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