HuskyAm 17./18 Januar 2012 durfte ich mein Geburtstagsgeschenk einlösen: eine Schlittenhunde-Tour zur Spitzmeilenhütte mit HuskyStuff.ch. In diesen zwei Tagen bekamen wir unter fachkundiger Anleitung einen Eindruck vom Musher-Handwerk. Bei strahlender Sonne und einer meterdicken Schneedecke lernten wir viel über Alaskan und Sibirian Huskies, ihr Gemüt, den Umgang mit den Tieren sowie ihr Verhalten im Rudel. Auch am ganzen Drumherum durften wir aktiv teilnehmen. Angefangen vom Einrichten des Startplatzes über das Füttern bis zum Versorgen der Schlitten durchliefen wir das volle Programm.

1. Tag

Am Dienstagmorgen um 9 Uhr wurden wir von den beiden Guides, Michi und Thomas am Flumser Bahnhof in Empfang genommen. Auch die beiden Mit-Musher, Claudia und Sami waren vor Ort. Mit dem Transporter ging es dann hinauf zum Flumserberg. In der Bergbeiz und Sennerei 'Alp Tannenboden' wurden wir bei einem Kaffee in die Grundkenntnisse des Schlittenhundfahrens eingeweiht. Dann ging es zur Sache: nachdem wir die sechs Schlitten aus dem Stall geholt hatten wurden die 29 Huskies einzeln aus ihrem Transportwagen befreit und liefen sofort zum Startplatz der mit langen Ketten ausgelegt war. Währenddessen machten wir uns mit den einzelnen Hunden vertraut. Auf unserem 'Hundeführerschein' standen die Namen unseres Teams, die Anspannreihenfolge und die wichtigsten Kommandos (auf Finnisch). Martinas Team bestand aus vier Rüden: Revontuli, Mielikettu, Piccolo und Joschi. Ralfs Team hatte fünf Huskies: Silou, Fux, Snoopy, Two und Kite.
 
SchlittenWer noch nie mit Schlittenhunden in Kontakt gekommen ist, hat bestimmte Vorstellungen, Urteile oder Vorurteile. Wie so oft, sieht die Wirklichkeit etwas anders aus. Viele stellen sich einen Husky als wildes, wolfsartiges Geschöpf vor, dem man eher nicht zu nahe kommt. Gut, die Ähnlichkeit mit einem Wolf, ihre Wildheit und das Ungestüm sind vor allem beim Sibirian Husky vorhanden. Wir erfuhren die Hunde als gut erzogen; sie hören aufs Wort (fast alle) und sind sehr gutmütig (fast alle). Die Begriffe 'Stolz und Gehorsam' beschreiben das Gemüt wohl am besten. Auf jeden Fall sind sie alle für ausgiebige Streicheleinheiten und wildes Geknuddel zu haben.
 
Schon beim ersten Sichtkontakt hatten wir beide unseren Favoriten ausgemacht. Revontuli ist ein Sibirian Rüde mit athletischem Körperbau und wunderschöner Zeichnung im Gesicht. Fängt man bei ihm mit Streicheln und Knuddeln erst einmal an, wird man nicht so schnell entlassen. Ein liebevoller Hieb mit der Pfote ermahnt einen doch weiter zu machen. Revontuli war dann auch zufällig der Leithund in Martinas Team (Gespann). Ich hatte den schwierigsten Hund als Leittier im Team. Fux ist ein schöner, fuchsfarbener Alaskan Husky, der einst im Spital schlechte Erfahrung mit Männern gemacht hat. Auf ihn kann man nicht so einfach zugehen um ihn zu streicheln oder das Geschirr anzulegen. Blickkontakt und eine schnelle Berührung verträgt er überhaupt nicht. Hier braucht es etwas Geduld und den direkten Blick sollte man vermeiden. Dann lässt er sich genauso herzen und knuddeln wie die anderen.
 
HundeNachdem die Hunde paarweise aus ihren Transportkäfigen auf den Startplatz liefen, war es unsere Aufgabe die Tiere in Empfang zu nehmen und an die Kette zu legen. Gemäss unserer Teamkarte durften wir ihnen dann das Laufgeschirr (Gstältli) in der richtigen Grösse anlegen. Dann sortierten wir unser Team an die Zugleine am Schlitten; zuerst die beiden Leithunde ganz vorne, dann den mittleren und die beiden hinteren Hunde. Während dem Anleinen waren die Schlitten mit einem stabilen Anker fest im Schnee gesichert um das Ungestüm der Huskies zu bremsen.
 
Dann ging es in festgelegter Reihenfolge los: Michi mit seinem Sechsergespann vorneweg gefolgt von Claudia und Martina mit ihrem Viererteam. Danach folgten Ralf und Sami mit ihren Fünferteams. Den Besenwagen bildete Thomas mit einem Fünfergespann. Mit festem Stand auf den beiden Schlittenkufen zogen die Hunde was das Zeug hielt über die breiten Wanderwege der Flumserberge. Da Michi als Chef der Meute vorneweg fuhr, mussten wir uns um die Steuerung nicht allzu viele Gedanken machen. Die Hunde hätten sowieso nicht auf unsere Kommandos 'vasen' (links) oder 'oikea' (rechts) gehört. Sie liefen einfach dem voraus fahrenden Team hinterher. Das war auch gut so weil wir uns voll auf den Schlitten und seine Stabilität in Kurven konzentrieren konnten. Auch der genügende Abstand zum vorweg fahrenden Schlitten war wichtig. Wer die Situation der Vorausfahrenden nicht im Auge behält, hat die eigenen Hunde ganz schnell in einem Knäuel mit den Huskies des Schlittens vor einem verwickelt. Da hilft der Ausruf des Stop-Kommandos 'seis' kombiniert mit einem beherzten Tritt auf die Klauenbremse um den Schlitten noch rechtzeitig zum Stillstand zu bringen.
 
SpitzmeilenZum Glück hat ein Hundeschlitten vier Bremsen: die erwähnte Klauenbremse hat die grösste Wirkung, schränkt jedoch die Balance des Schlittens ein weil man einen Fuss von den Kufen nehmen muss um die Bremse zu treten. Die breite Plattenbremse zwischen den Kufen lässt sich mit beiden Fersen betätigen ohne die Füsse von den Kufen zu nehmen. Dadurch bleibt der Schlitten besser unter Kontrolle. Dann gibt es noch den Anker, der mit der Handbremse beim Auto vergleichbar ist. Er lässt sich nur zur Sicherung des Schlitten bei Stillstand verwenden. Die vierte Methode besteht im Umkippen des Schlitten was eher ungeplant geschieht und von zweifelhafter Bremswirkung begleitet wird. Die Hunde selbst kennen nur zwei Betriebsmodi: volle Kraft voraus oder Stillstand. Gangarten wie Schritt, Trab oder Galopp sind ihnen unbekannt. Deshalb ist der häufige Einsatz der Bremsen unerlässlich will man nicht ständig auf die vierte Bremsmethode zurückgreifen. Diese hat einen weiteren Nachteil: es gilt nämlich die Regel 'wer den Schlitten verliert, der läuft hinterher bis er ihn wieder im Griff hat'. Nach mehreren Überschlägen im steilen Hang ist es aber nicht so einfach den Schlitten festzuhalten. Deshalb bremst man lieber zu viel als zu wenig.
 
Nach 15 Kilometern durch die herrliche Schneelandschaft bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein führte uns Michi in eine verträumte Senke zur Mittagspause. Die Schlitten manövrierten wir zu einer Art Wagenburg im grossen Kreis. Anker werfen, Hunde loben und streicheln während Thomas und Michi schon eine runde Schneebar mit ihren Schaufeln als Mittagstisch ausgehoben hatten. Mit leckerem Käse, Wurst und Brot stillten wir den grössten Hunger und wärmten uns anschliessend mit einer frisch gekochten Suppe wieder auf.
 
Der Nachmittag wurde dann anstrengender; der 6 km lange Aufstieg zur Spitzmeilenhütte forderte die Hunden und uns gleichermassen. Ab einer gewissen Steigung können die Huskies den Schlitten nur noch ohne menschliche Last ziehen. Da heisst es absteigen und hinter dem Schlitten den Berg hinauf laufen. Am späten Nachmittag erreichten wir erschöpft aber glücklich unser Ziel auf 2087 Metern Höhe. Bevor wir in die Wärme der Hütte durften, galt es die Hunde auszuschirren und zu füttern. Das Trockenfutter in einer 20 Liter Isobox wird mit ein paar Litern Wasser zum Quellen gebracht und ergibt 30 Näpfe voller Energie für die Tiere.
 
Den Abend verbrachten wir bei einem feinen Käsefondue in gemütlicher Runde. Wir hatten die Hütte ganz für uns alleine, so dass wir unsere nassen Kleider zum Trocknen in der warmen Stube ausbreiten konnten ohne andere Gäste zu stören. Nach dem Abendessen ging es mit Stirnlampen nochmals hinaus um die Hunde ein zweites Mal zu füttern. Zur Belohnung überraschte uns Thomas dann noch mit Karamelköpfli zum Dessert.

2. Tag

Der nächste Morgen bescherte uns um acht Uhr einen schönen Sonnenaufgang über dem Spitzmeilengrat. Nach dem reichhaltigen Frühstück bekamen die Schlittenhunde ihren Napf voll um für den Tag gerüstet zu sein. Dann wurde die Hütte schnell geputzt, das Gepäck in die Schlitten verladen und die Gespanne eingerichtet. Sobald die Huskies merken, dass es bald wieder zur Sache geht, bricht ein infernalischer Lärm los. Das Bellen, Jaulen, Heulen und Rumspringen der Hunde treibt einen an, die Schlitten so schnell wie möglich fertig zu machen, damit sie endlich wieder zu ihrer Lieblingsbeschäftigung kommen: Laufen.
 
FuxVon der Hütte aus führte unser Weg steil bergauf Richtung Spitzmeilensattel. Nach halbstündigem Aufstieg erreichten wir ein Hochplateau auf dem die Hunde wieder richtig ziehen konnten. Von dort aus ging es in rasanter Fahrt durch den Pulverschnee bergab. Dabei war voller Bremseinsatz nötig um nicht mit dem Schlitten die Hunde zu überholen. Mit dem ganzen Körpergewicht auf der Bremsplatte schiebt man bis zu den Knien eine Schneewalze vor den Füssen her. Bei seitlich abschüssigem Hang wird das Manövrieren schwierig, was vereinzelt zu harmlosen Stürzen führte. In den meisten Fällen bremst der umgestürzte Schlitten die Hunde bis zum Stillstand ab.
 
Für die Mittagspause fanden wir wieder einen romantischen Talkessel neben einer bis zum Dach verschneiten Holzhütte. Unsere Brotzeit und die Suppe teilten wir mit zwei Skitourern die uns Gesellschaft leisteten. Als plötzlich ein Schneehase sein Versteck hinter der Hütte verliess, gab es wieder ein lautstarkes Halali unter den Hunden. Die grosse Hasenjagd wurde zum Glück durch die Bodenanker der Schlitten verhindert.
 
HuegelAm Nachmittag ging es über Ziehwege und Skipisten zurück zum Startplatz. Die belebten Wege zwangen uns des Öfteren zum Anhalten um nicht mit Spaziergängern, Skifahrern und anderen Hunden in Konflikt zu kommen. Dabei stellte sich das Lenken der Schlitten bei einem Musher als problematisch heraus. In einer Kurve des Ziehwegs driftete mein Holzschlitten so weit über den Rand hinaus, dass er sich auf dem steilen Abhang fünfmal überschlug. Ein Festhalten des Schlittens war nach dem ersten Überschlag nicht mehr möglich, so dass das Gefährt unkontrolliert den Hang entlang schlitterte und drohte, die Huskies vom Weg auf den Hang zu ziehen. Dank Thomas' schnellen Eingreifens konnte das Malheur verhindert werden; Mensch, Tier und Material trugen keinen Schaden davon.
 
Unsere Schlittenhundtour endete um vier Uhr auf dem Startplatz mit dem Ausschirren der Hunde und dem Verstauen des gesamten Materials. Unter den erstaunten Blicken einiger Zuschauer liefen die Huskies vom ihrem Platz an der Kette in Paaren zurück zum Transportwagen um in ihren Zweierboxen einen gemütlichen Ruheplatz zu finden. Wir fanden uns zum Abschied noch einmal in der Bergbeiz 'Alp Tannenboden' ein um uns für die Heimfahrt zu erfrischen.
 
So verbrachten wir zwei tolle Tage unter optimalen Bedingungen in jeder Hinsicht: Wetter, Ausrüstung und die Begleitung unserer beiden Guides liessen keine Wünsche offen. Den grössten Eindruck hinterliessen bei uns jedoch die 29 Huskies denen wir zu aller erst für die einmalige Erfahrung des Schlittenhundfahrens danken möchten.

Die Bilder zur Tour