AssiettaWenn Chef Michael und Fuchs Ralf auf Töfftour gehen wird es lustig und es gibt viel zu berichten. Vom 9. bis zum 15. August führte unsere diesjährige Motorradwoche in die Westschweiz, das Aostatal, das Piemont  und die französischen Rhonealpen.

Ursprünglich sollte es eine reine Offroad-Woche werden, was jedoch an den Preisen der Miet-Enduros scheiterte. Trotzdem blieb der Aufstieg auf den Colle di Fenestrelle und die Traversierung über die Assietta Kammstrasse das zentrale Element der gesamten Tour.

Der Tag der Abreise (Samstag, 9. August 2014) begann denkbar schlecht. Bei seiner Anreise von Affoltern nach Schlieren geriet Michael in einen heftigen Schauer und kam klatschnass bei mir an. So dauerte es bis zum Mittag, bis wir die Tour beginnen konnten.

Die Tourkarte

Assietta Tourkarte

Aufgrund des verzögerten Starts, beschlossen wir unser Tagesziel von Aosta auf den Walliser Grenzort Le Chatelard zu verkürzen. Michael hat dort eine kleine Arbeitswohnung die wir kostenlos nutzen konnten. So fuhren wir durch das Knonauer Amt Richtung Luzern und von dort durch das Entlebuch nach Thun. Weiter ging es durchs Simmental und Saanental bis nach Aigle. Von dort war es nur noch ein Katzensprung hinab nach Martigny und wieder hinauf Richtung Chamonix bis zu Michaels Bude.

Am Sonntag fuhren wir über den Grossen Sankt Bernhard südlich ins Aostatal und von dort weiter hinab ins Piemont bis zum schönen kleinen Städtchen Susa. Wie so oft auf unseren Touren gestaltete sich die Hotelsuche als sehr einfach. Auf der gesamten Strecke fanden wir im ersten angefahrenen Hotel eine Unterkunft. Mit der Technik hatten wir etwas weniger Glück, bei Michaels KTM viel schon bald das Fahrlicht aus (Glühbirne durchgebrannt). Im weiteren Verlauf brannten dann noch Sicherungen durch so dass er vorne gar kein Licht mehr hatte und das Navi während der Fahrt nicht mehr geladen wurde.

Der Montag stellte den Höhepunkt der Tour dar. Für den dritten Tag hatten wir die Assietta Kammstrasse eingeplant. Sie zählt zu den beliebtesten Höhenstraßen der Westalpen. Sie zieht sich am Kamm zwischen Valle Susa und Valle del Chisone entlang und bewegt sich in Höhenlagen zwischen 2000 und 2500 m. Der höchste Punkt liegt mit 2550 m unterhalb des Gipfels der Testa dell'Assietta (2567 m). Die Strecke ist bis auf ein kurzes Stück am Anfang komplett geschottert, kann aber auch mit großen Tourenmaschinen problemlos befahren werden.

Bevor man auf die Kammstrasse einbiegen kann, gilt es von Susa aus über den Colle di Fenestrelle auf 2000 m aufzusteigen. Leider hatten wir uns bei der Streckenplanung auf unseren Navis leicht vertan; im Glauben den Einstieg in den Fenestrelle gefunden zu haben, fuhren wir frohen Mutes den Berg hinauf, wobei der Weg immer steiler, steiniger und schlammiger wurde. Es kam wie es kommen musste, in einer steilen Linkskehre rutschte mir die Multistrada auf einem nassen Wiesenstück über das Vorderrad weg und legte sich sanft in der Wiese nieder. Exakt zur gleichen Zeit brachte eine gemeine Fahrrinne im Schotter Michaels Adventure zu Fall. Zum Glück überstanden beide Motorräder die Stürze ohne Schaden. Nachdem wir beide Töff wieder aufgerichtet hatten beschlossen wir eine sofortige Kehrtwende um den richtigen Einstieg in den Colle di Fenestrelle zu finden. Da Michael sich von einer früheren Befahrung noch grob an die Strecke erinnern konnte, fanden wir nach kurzer Zeit den rechten Weg. Die Auffahrt bis zum Pass war dann der reine Genuss. Oben angekommen bogen wir bei bestem Wetter auf die 34 km lange Assietta Kammstrasse ein.

Tatsächlich ist für diese Schotterpiste keine Hard-Core-Enduro notwendig; Michaels KTM sowieso und meine Duc pflügten problemlos durch den Schotter. Erst im zweiten Teil der Strecke musste ich ernsthaft schlucken. Über eine Distanz von 20 Metern hatten die starken Regenfälle der letzten Wochen den Weg in einem Schlammpfuhl verwandelt. Während Michael seine Käthe ohne grosses Federlesen mit Karacho durch die Suhle trieb, musste ich erst einmal in mich gehen. Beim Angasen auf dem Schlammbett bewegte sich die Multi auf ihren 195er "Slicks" mehr seitlich als vorwärts. Nach andächtigen 10 Minuten entschloss ich mich für die Strategie des Langsamfahrens. Ich wollte nicht das Risikio eingehen, mitten im Pfuhl die Kontrolle über mein Gefährt zu verlieren und Hals über Kopf im Wasser zu landen. Die langsame Durchquerung erwies sich als goldrichtig wobei Mensch und Maschine dabei auch noch relativ sauber blieben. Die weitere Fahrt verlief dann ohne Zwischenfälle. Beim Abstieg nach Sestriere trafen wir ein Pärchen aus Sankt Augustin die mit ihren 30 Jahre alten BMWs die Assietta in umgekehrter Richtung befahren wollten. Mit ihnen unterhielten wir uns nett; ich musste mich spöttisch fragen lassen, wie man denn mit 150 PS die Assietta befahren könne. Unser Nachtlager schlugen wir weiter südlich in Sampeyre auf.

Da wir immer noch einen halben Tag hinter der eigentlichen Planung zurück lagen, entschlossen wir uns am Dienstag die Strecke um einen Tag zu verkürzen. Der Bogen bis hinab nach Sospel viel dem Regen am Samstag zum Opfer. Dadurch legten wir an diesem Tag ein gewaltiges Pensum von neun Pässen zurück.

Die Pässeliste

1. Tag Pass
09.08.14 Schallenberg
09.08.14 Saanenmöser
09.08.14 Pillon
09.08.14 Forclaz
2. Tag Le Chatelard (bei Michael)
10.08.14 Grosser Sankt Bernhard
10.08.14 Colle San Carlo
10.08.14 Kleiner Sankt Bernhard
10.08.14 Iseran
10.08.14 Col du Mont Cenis
3. Tag Susa
11.08.14 Colle di Fenestrelle
11.08.14 Assietta Kammstrasse
4. Tag Sampeyre
12.08.14 Colle di Sampeyre
12.08.14 Colle d'Esischie
12.08.14 Colle dei Morti
12.08.14 Colle Valcavera
12.08.14 Colle di Caccia
12.08.14 Col de la Lombarde
12.08.14 Col de Raspaillon
12.08.14 Col de la Bonette
12.08.14 Col de Restefond
5. Tag Jausiers
13.08.14 Col de Vars
13.08.14 Col de l'Isoard
6. Tag Chantemerle
14.08.14 Galibier
14.08.14 Col de la Madeleine
14.08.14 Col des Saisies
14.08.14 Col des Aravis
14.08.14 Col de la Columbiere
7. Tag Cluses
15.08.14 Col de l' Encrenaz
15.08.14 Col du Corbiere
15.08.14 Pas de Morgins

Wie der Pässeliste zu entnehmen ist, führte unser Weg über den Col de la Lombarde von Italien nach Frankreich. Dort übernachteten wir im Bergsportort Jausiers in einem sehr schönen Bed and Breakfast Hostel bei Caroline.

Der nächste Tag (Mittwoch) begann mit Regen und kühler Temperatur (11 Grad). Bis mittags schlugen wir die Zeit in einem Cafe tot um dann feststellen zu müssen, dass unsere Gastwirtin erst um 15:30 Uhr zurück sein wollte. Das Wetter hatte sich zwar zum Besseren gewendet aber ohne unser Gepäck im Hostel konnten wir nicht weiterfahren. Erst nach einem Telefonat mit Caroline um 14 Uhr erfuhren wir, dass die Haustür des Hostels gar nicht abgeschlossen war und wir unsere Sachen schon viel früher hätten holen können. Na ja, zum Glück hatten wir durch die Verkürzung der Gesamtstrecke genügend Zeit. Von Jausiers fuhren wir dann in nördlicher Richtung über den Col de Vars und den Isoard bis kurz hinter Briancon in das kleine Örtchen Chantemerle wo wir ein Hotel mit Swimming Pool bezogen. Die Sonne des späten Nachmittags genossen wir bei Bier und Nüsschen am Pool ganz dekadent in weisse Bademäntel gehüllt.

Am Donnerstag verlief unsere Strecke weiter Richtung Norden über den Galibier und vier weitere schöne Pässe bis in den schrecklichen Ort Cluses. Wenigstens die Pizza und der Rotwein in diesem Nest waren hervorragend. Da das Wetter immer unbeständiger wurde beschlossen wir, unsere Strecke nochmals zu ändern. Entgegen der ursprünglichen Planung, die uns durch das Rhonetal über den Nufenenpass nach Airolo geführt hätte und einen Tag später durch die Innerschweiz Richtung Heimat, beschlossen wir das Gebiet südlich des Genfer Sees bis nach Martigny zu queren und von dort über die Autobahn zurück zu fahren.

So kam es, dass der Freitag unser letzter Reisetag wurde. Von Cluses fuhren wir im Regen über Encrenaz, Corbiere und den Pas de Morgins zurück in die Schweiz. Bei herbstlichen Temperaturen (12 Grad) und immer wieder einsetzendem Regen, erreichten wir gegen 13 Uhr die Autobahn bei Martigny und fuhren über Bern nach Zürich zurück. Unsere Frauen freuten sich über die verfrühten Heimkehrer und wir beide hatten eine tolle Motorradwoche mit 30 Pässen, einem Schotter-Highlight und guten Abendgesprächen erlebt.

Die Bilder zur Tour