DoT 2015Man muss diesen Artikel nicht verstehen. Oberflächlich betrachtet handelt es sich um den Reisebericht zu den 'Days of Thunder 2015' die vom 13. - 19. Juni 2015 in Mittelösterreich und Slowenien stattfanden. Die wahre Bedeutung des Geschriebenen erschliesst sich jedoch nur den Mitreisenden und setzt die Kenntnis einer 25-jährigen Clubhistorie und deren Begleitumstände voraus.

Die 'Serpendipität' ist bekanntlich das Mass für die Kurven pro Kilometer und ist ein wichtiges Qualitätskriterium für DoT-Touren da Biker Kurven lieben. Eine ähnliche Club-Metrik ist das 'Spa' (Seals per acre), also die Anzahl von Seehunden pro Acker. 'Spa' kann im Rahmen der diesjährigen Tour jedoch auch als Serendipität des fünften Tages ausgelegt werden an dem wir unverhofft in den Genuss eines Bades vor den Aperölchen kamen.

Aber Achtung! Die Serendipität ist nicht mit der Serpendipität zu verwechseln.

Für den Begriff 'Serendipität' gibt es keine direkte deutsche Übersetzung; am ehesten passt die Umschreibung vom 'glücklichen Zufall'. In erster Linie bezieht sich das Tour-Motto auf das Wetter. Selten hatten wir solch ein Pech mit dem Regen. Vergleichbar sind hier nur der tagelange Aufenthalt im Mississippi im Jahr 1992 oder damals in den Ardennen (1994). Inspiriert für den Tournamen wurden wir durch den gleichnamigen Film mit John Cusack und Kate Beckinsale, den wir am dritten Abend im Fernsehen sahen.

Unsere Reise begann am Samstag, dem 13. Juni mit Torstens langer Anreise (700 km) von Hilden und meiner kürzeren (400 km) von Zürich nach Kufstein. Dort hatten wir vorab im Haus Barbara gebucht. Wir wurden von der Wirtin Barbara Exenberger mit Bier, Selbstgebranntem und Schokolade ganz herzlich empfangen. Der erste gemeinsame Fahrtag sollte uns rund um den Wilden Kaiser nach Zell am See über den Millstädter See nach Feldkirchen in Kärnten bringen. Leider machte uns ein Gewitter auf dem Grossglockner einen Strich durch die Rechnung. Die Hochalpenstrasse überquerten wir in wahrer 'Days of Thunder' Manier mit starkem Regen, heftigen Windböen und einer Temperatur von 2 Grad. Auch nach der Passüberquerung hielt der Regen an, so dass wir nach stundenlanger Wasserfahrt den Tag in Spittal an der Drau vorzeitig abbrachen. Dort kehrten wir durchnässt im Erlebnishotel Post ein. Das Erlebnis beschränkte sich auf Handschuhtrocknen in der Sauna (sie waren am nächsten Morgen immer noch nass) und einem sehr guten Abendessen in der Hacienda Mexicana. Die Serendipität dieses Abends begrüsste uns mit einer umfangreichen Rum Sammlung, die selbst Connoisseur Torsten so noch nicht gesehen hatte. Torsten wählte einen Plantation Rum Barbados 2001 Old Reserve und ich genehmigte mir einen hervorragenden Angostura.

Wetterbedingt lagen wir nun bereits hinter unserer Streckenplanung zurück. Die Karte zeigt Wunsch und Wirklichkeit:

DoT 2015 - Strecke

Der zweite Fahrtag bescherte uns trockene und nasse Abschnitte. Von Spittal an der Drau fuhren wir in Abkürzung der geplanten Route über Völkermarkt auf direktem Wege nach Slowenien. In Bad Eisenkappel mussten wir eine mehrstündige Pause in einer Bäckerei einlegen bevor wir die Überquerung des Seebergsattels in den Karawanken in Angriff nehmen konnten. Die weitere Fahrt verlief weitgehend trocken und mündete in der Serendipität des dritten Tages, der Strasse Nr. 911 durch den Wald von Rudno nach Nemski Rovt; einer waschechten Schotterpiste durch den Bergwald. Des einen 'glückliche Fügung' ist des anderen 'pain in the ass'. Wie so oft hatte auch diese Biketour ihren unfreiwilligen Offroad Anteil; zu meiner Freude und zu Torstens Leid. Aber Hand aufs Herz, wir hatten Glück, dass sich uns keine Karawanken-Bären in den Weg stellten. Im letzten Drittel des Schotters wurde es dann doch noch ungemütlich als der Regen wieder einsetzte. Zum Glück war die Strecke mehr schottrig als lehmig, was unfreiwilligen Rutschern vorbeugte. Am Ausgang der 911 war dann Quartiersuche angesagt. Nass wie wir waren wählten wir die erstbeste Unterkunft im Weiler Nemski Rovt bei Yoyneh Shagal und der Grauen Hexe. Damit sich die für den nächsten Morgen vorgesehene Schlachtung lohnte, wurden wir vorzüglich verköstigt; es gab 'Schlachtplatte'. Yoyneh gab uns sogar einen Wasserschlauch um die Motorräder vom Offroad Schlamm zu befreien.

Wider Erwarten gelang uns am nächsten Morgen die Flucht aus dem Lebkuchenhaus. Allerdings holte uns er Regen nach wenigen Kilometern ein; wir mussten bei Herrn Wehrwolf eine längere Pause einlegen, wurden aber mit Green Day gut unterhalten. Die Weiterfahrt dauerte nicht lange; vor dem Lidl in Jesenice warten wir eine weitere Stunde auf trockene Strassen. Als es endlich soweit war, dauerte die Freude nicht lange; nach wenigen Kilometern setzte heftiger Regen ein und wir beschlossen den Tag an dieser Stelle enden zu lassen. Die Villa Roza zwischen Jesenice und dem Soca Tal wurde unser Zwangsquartier für den Rest des Tages.

Der vierte Tag hatte gleich mehrere Serendipitäten zu bieten: die Fahrt durch das wunderschöne Soca Tal war ein fahrerischer und landschaftlicher Hochgenuss. Dieses Tal berauscht durch seine sanften Kurven, die grünen Hänge und den wilden Fluss der Soca. Am Talende gelangt man nach Bovec von woaus wir in westlicher Richtung fuhren um dem schlechten Wetter im Norden zu entkommen. Die Reise führte uns über Tolmezzo nach Italien in die Dolomiten. Was gibt es Schöneres als bei Sonnenschein die schroffen Felsdome um Cortina de Ampezzo zu umrunden; das war Serendipity in Reinform.

Dolomiten

Um das schöne Wetter auszunutzen (es war der einzige Tag mit durchgehendem Sonnenschein auf der ganzen Tour) fuhren wir so lange wie möglich. Unser Abendquartier bezogen wir in Sankt Ulrich im Grödnertal. Dieser Ort ist für seine Holzschnitzer Handwerk bekannt. Da wir keine Lust auf eine lange Sucherei hatten, checkten wir im ersten Haus am Platz ein, dem Hotel Genziana. Die Herren von Kohlen und Reibach liessen es sich gut gehen. Nachdem die Bikes in der Tiefgarage ein sicheres und trockenes Plätzchen gefunden hatten, streiften wir die Bademäntel über um ein Bad im hauseigenen Schwimmbad zu nehmen. Anschliessend stand ein Rundgang durch den Ort auf dem Programm bei dem Eis geleckt und Geschenke gekauft wurden. Dann gönnten wir uns ein Aperölchen auf der Hotelterrasse. Für 10 Euro mehr gingen wir auf das Angebot des Concierge für ein Dinner im Hotelrestaurant ein. Die Serendipität des fünften Tages bewirkte, dass uns statt eines Stück trockenen Brotes ein Sechsgang Menü serviert wurde; unverhofft kommt oft!

"Am sechsten Tag schuf Gott alle Lebewesen auf dem Land und auch den Biker. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut ausser dem Wetter." Deshalb galt es, so schnell wie möglich den Zielpunkt der Tour zu erreichen, doch nicht ohne Fahrspass. Das Grödnertal verliessen wir weiter Richtung Westen um oberhalb von Bozen in die Hügel einzusteigen. Im Dreieck zwischen Klausen, Bozen und Meran fanden wir kleine Strassen und schöne Kurven ganz nach unserer Vorstellung. Von Meran aus stiegen wir empor zum 2500 m hohen Timmelsjoch von wo aus wir durch das Ötztal nach Imst fuhren. Wegen des dichten Verkehrs ist der Fernpass kein bevorzugter Weg für Biker, jedoch der kürzeste Weg nach Norden. Kurz vor unserem Ziel, Reutte dem Tor zum Tirol, setzte der Regen wieder ein. Im Nachbarort Lechaschau kehrten wir im Hotel zur goldenen Rose ein und verbrachten einen gemütlichen letzten Abend miteinander.

Am Freitagmorgen verabschiedeten wir uns um die Heimreise anzutreten. Zwischen Füssen und Kempten gerieten wir beide ein letztes Mal in den Regen, der aber im weiteren Verlauf das Zepter an die Sonne übergab. Ohne weitere Zwischenfälle aber mit zwei Paar neuen Handschuhen von Louis in Bregenz, kamen wir heim.

"Der Begriff Serendipität (englisch serendipity), gelegentlich auch Serendipity-Prinzip oder Serendipitätsprinzip, bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist." Folgt man der Definition auf's Wort, stimmt der Tourname nur teilweise. Schönes Wetter haben wir ursprünglich gesucht bzw. erhofft, der überraschenden Entdeckungen und glücklichen Wendungen gab es jedoch genug auf der Days of Thunder 2015.

Days of Thunder rulez!

Die Bilder der Tour