Ace CafeGemütlich in den Bergen cruisen kann ja jeder. Deshalb gab es in diesem Jahr einen "Days of Thunder Special Event", die England-Tour zum Ace Cafe nach London und die Teilnahme am Brighton Burn-Up. Das Ace Cafe ist eine Raststätte in Stonebridge, nordwestlich von London. Es spielt in der Motorrad-Subkultur eine wichtige Rolle als Treffpunkt und Veranstaltungsort und prägte den Begriff Cafe Racer. Seit der Wiedereröffnung des Ace Cafes 2001 trifft sich die Szene einmal jährlich dort zum "Ace Day" und um gemeinsam den Brighton Burn-up zu fahren.

Jedes Jahr möchte ich eine solche 2500 km Tour nicht machen müssen aber einmal in der Dekade liegen diese Extravaganzen drin. Das letzte Erlebnis ähnlicher Art war unsere Tour zur Tourist Trophy auf die Isle of Man vor sieben Jahren. Das Ace Cafe ist einer dieser speziellen Orte an denen jeder Motorradfahrer einmal im Leben gewesen sein muss.

Die Anreise führte mich am Donnerstag, 7. September, von Zürich zu Torsten nach Haan. 600 km über die Autobahn mit viel Stau und gutem Wetter. Dafür gab es am Abend das erste Treffen mit der neuen Crew bei lecker Pizza mit viel Zwiebeln. Schon bei diesem ersten Treffen hatten wir es sehr lustig mit Torsten, Udo und Jörg.

Am nächsten Morgen trafen wir uns bei Udo vor der Haustüre; (fast) alle in Regenkombis gepackt um dem nahenden Regenwetter zu trotzen. Die Strecke führte uns über Roermond, Antwerpen, Brügge und Dünkirchen nach Calais denn dort beginnt der Eurotunnel. Nach kurzer Fahrt begann es zu regnen; die Kleiderfrage hatten wir richtig entschieden. Wer denkt, man könne von der Autobahn direkt in den Tunnelzug einfahren, hat sich getäuscht. Für die Zoll-, Grenz- und sonstigen Warteprozeduren ging locker eine Stunde drauf und zwar im strömenden Regen. Nun ja, nach England fährt man wettermässig nie ungestraft.

Die eigentliche Tunnelfahrt gestaltete sich schnell und unkompliziert. Wenigstens auf englischer Seite konnten wir ohne weitere Zeremonie direkt auf die Autobahn M20 fahren bis zum Südrand des Londoner Autobahnrings. Da sich das Ace Cafe und unser Hotel nordwestlich von London befand, gab es auf dem Ring noch einige Meilen zu fahren um London gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden. Gegen 18 Uhr, nach ca. 10-stündiger Fahrzeit, erreichten wir endlich das Holiday Inn am Brent Cross. An diesem Abend ging - ausser einigen Ales und Bieren in der Hotelbar - nichts mehr.

Unsere Route in England

 

Für den Samstag war Downtown Sightseeing und der Ace Cafe Besuch geplant. Bei schönem Wetter (wir mussten ja nicht Motorradfahren) fuhren wir mit der Tube bis Embankment und überquerten die Themse über die Golden Jubilee Bridge zum Südufer des Flusses. Beim London Eye starteten wir einen schönen Spaziergang auf dem Queen's Walk immer am Fluss entlang bis wir die Tower Bridge erreichten. Dort war gerade ein lustiges Bootsrennen zu Gange an dem mehrere hundert bunte und geschmückte Schaluppen teilnahmen. Auf dem anderen Ufer warfen wir einen Blick auf den Tower und gingen entlang des Traitors' Gate zur nächsten Tube-Station um etwas schneller Covent Garden zu erreichen. Dort wäre eigentlich Zeit fürs Mittagessen gewesen, allerdings fanden wir nichts Passendes ausser den netten Pub "Mr. Fogg's Tavern" in dem es gutes Flüssigbrot gab und zwar auf der Gasse. Gut gestärkt konnte nun der zweite Teil des Tages beginnen.

 

Zum Ace Cafe fuhren wir ohne Umschweife direkt mit der U-Bahn und kamen dort am späten Nachmittag bei leichtem Regen an. Ganz unromantisch gesprochen, ist das Ace eine Art Garage am Rande einer Umgehungsstrasse in einem heruntergekommenen Viertel ausserhalb Londons. Soviel zur objektiven Sicht der Dinge; subjektive betrachtet ist es das Mekka vieler Biker, insbesondere der Cafe Racer und Rockabilly Fans. Zwischen dem Motorrad-Stil "Cafe Racer", "Rockabilly" und dem "Ace Cafe" gibt es Verbindungen, die vielleicht nicht jedem geläufig (oder von mir frei erfunden) sind. Das Ace Cafe ist ein Cafe (im weitesten Sinne) worauf der Begriff "Cafe Racer" gründet zusammen mit dem Umbau eines alten Rennmotorrads (Racer) zur strassentauglichen Version. Das "Ace" findet sich im Logo des Cafes wieder (nein, es ist kein "ace of spades", sondern ein "ace of clubs") und auch bei den Rockabilly's. In seinen Anfängen wurde der Rockabilly auch "rACE music" genannt. Eines der bekanntesten Labels hiess "Ace Records" und eine deutsche Rockabilly Band aus dem Jahre 1984 hiess "Ace Cats". Wie bedeutungsschwanger der Name dieser Garage ist, war uns an diesem Abend ziemlich egal, weil es genug zu gucken gab.

 

Auf dem Platz vor dem Cafe spielte eine Rockabilly Band auf und es gab natürlich viele schöne Cafe Racer und andere Bikes zu sehen. Unter den Cafe Racers findet man die alten (und neuen) Triumphs, Royal Enfields, Tritons, AJS', Nortons, Moto Guzzis, Ducatis und auch BMWs. Aktuelle Neuauflagen im Retrostil sind die BMW NineT und die Triumph Thruxton. Ein besonders schönes Exemplar präsentierte der Gummimischer Continental mit einer BMW NineT mit alter Rennverkleidung. Neben Musik und tollen Mopeds gab es auch noch schlechtes Essen (hot dogs), gutes Bier und viele Originaltypen in Ledernietenjacken und dunkelblauen hochgeschlagenen Jeans zu sehen. Torsten war der Meinung, dass dieses Ace Treffen nicht an den Zulauf früherer Jahre heranreichte; liegt es am Brexit oder am Glanz vergangener Zeiten - wir wissen es nicht. Auf jeden Fall hatten wir viel Spass und einen tollen Abend. Zu fortgeschrittener Stunde entschieden wir uns für den Weg zum Hotel ein Taxi zu nehmen. Aufgrund der ewig verstopften Londoner Strassen brauchten wir eine Ewigkeit für zweidrittel der Strecke. Deshalb stoppten wir das Taxi mitten auf der Autobahn und marschierten den Rest der Strecke zu Fuss zurück zum Hotel.

 

Am Sonntagmorgen durften wir endlich wieder Motorradfahren. Die 6 km vom Hotel zum Ace Cafe waren schnell bewältigt, trotz hohem Biker-Aufkommens auf den Zufahrtsstrassen. Vor dem Ace wurden Jörg und Udo von Torsten und mir von den Parkwächtern getrennt, so dass wir den Start zum Brighton Burn-Up getrennt beginnen mussten. Auch hier war die Anzahl Teilnehmer (laut Torsten) deutlich geringer als bei seinem letzten Besuch vor einigen Jahren. Tausend Bikes waren es aber sicher, die den "Ride with the Rockers" antraten. Auf den ersten Kilometern dominierten die Motorräder noch klar das Strassenbild bis sich die Meute nach und nach auseinander zog. Beim Autobahnkreuz vom Londoner Ring auf die M23 beim Merstham Interchange gab es eine kleine Überraschung; in der Kurve kurz nach der Abfahrt standen ca. 100 Motorräder auf dem Seitenstreifen, darunter auch Udo und Jörg. Wir wissen nicht, warum man hier rumsteht, auf jeden Fall hatten wir uns wiedergefunden und konnten den Rest der Strecke gemeinsam bestreiten. In Brighton angekommen, fuhren wir direkt zum Hotel um unsere Mopeds abzustellen und das Gepäck im Zimmer zu verstauen. Da hatten wir die Rechnung ohne das Holiday Inn in Brighton gemacht. Obwohl wir um kurz nach 15 Uhr ankamen, waren unsere Zimmer noch nicht fertig. Also zogen wir in voller Montur los Richtung Madeira Drive. Die Uferstrasse in Brighton ist der Ort, an dem sich die Burn-Upper versammeln und wo die Musik spielt. Bei trockenem Wetter blies uns ein heftiger Wind ins Gesicht; eine grosse Portion Fish'n'Chips half uns dabei diesem standzuhalten. Auf dem Madeira Drive gab es wieder tolle Gefährte zu sehen; da waren die Motorräder vom Ace Cafe, einige Mad Max Varianten und die Motorroller der Mods mit vielen Lampen und Spiegeln; auch die Band von gestern Abend trat wieder an. Nach knapp zwei Stunden auf und ab waren wir wieder beim Hotel, ordentlich gebeutelt vom Sturm und unserer schweren Tracht. Eines unserer Zimmer war immer noch nicht fertig; soviel zum Hotelservice im Holiday Inn. Nach einer kurzen Pause (wir sind ja alte Männer) entschieden wir uns nicht noch einmal zum Madeira Drive zu gehen sondern ein nettes Restaurant in der Nähe zu suchen. Dafür bot sich die Preston Street gleich neben dem Hotel an. Dort gibt es eine Vielzahl an Pubs und Essgelegenheiten. Bei unserem ersten Versuch wurden wir überrascht: dem Zutritt zur äusserlich sehr ruhigen Oxygen Bar wurde mit Party, lauter Musik und fliegenden Schlüpfern entgegnet; wir drehten auf dem Absatz um. Beim zweiten Versuch wurden wir fündig, The Royal Sovereign hatte genau was wir brauchten, gutes Essen, gutes Bier und Live-Musik. So verbrachten wir den letzten Abend unserer Reise bei guter Laune und in schönem Ambiente.


Nach vielen Kilometern auf der Autobahn, entschlossen wir uns, wenigstens auf der Strecke von Brighton nach Folkestone die schöne südenglische Landschaft zu geniessen. Das war ein guter Plan; Jörg navigierte uns durch hügelige Landschaften mit satten Weiden, typischen Dörfern und kleinen Wäldern. Die Tunnelung zurück nach Calais war nicht der Rede wert. Auf dem Kontinent war das Wetter nicht so garstig wie auf der Hinfahrt, ein paar Regenschauer mit ordentlichem Wind gab es aber dennoch. Kurz nach Antwerpen trennten sich unsere Wege, weil ich die für mich kürzere Strecke über Aachen bis zu meiner Mutter nahm. Die Rückfahrt von Sankt Augustin nach Zürich am nächsten Tag war wie gewohnt: Stau, Regen, Wind und wegen der fehlenden Vignette eine Extratour entlang des Rheins um erst bei Bad Säckingen in die Schweiz queren zu können.

Alles in allem war das eine Super-Tour mit tollen Gefährten (!) und einem einmaligen Ziel.

P.S.: Es gibt auch ein Ace Cafe in der Schweiz smile