TTDie 'Days of Thunder' waren in diesem Jahr ein ganz besonderes Erlebnis. Als Ziel hatte Thomas die 'Tourist Trophy' auf der Isle of Man ausgewählt. Als ältestes Motorradrennen der Welt ist die TT ein Muss für jeden Biker. 'Dabei sein ist alles' war unser Motto für die Reise in die Irische See. In neuer Zusammensetzung starteten die vier Bushies Thomas, Jürgen, Torsten und Ralf in Mettmann die lange Fahrt auf die Insel der Manx. Der Weg war unser Ziel weil wir leider nicht selbst an den Rennen teilnehmen konnten - das überliessen wir den Profis.

Am Samstag dem 5. Juni trafen wir uns bei Torsten in Mettmann zum Start nach Rotterdam. Torsten und Jürgen hatten zuvor noch ein Kurventraining im Ostdeutschen absolviert und Ralf musste zuerst die 600 km Autobahn von Zürich nach Mettmann abreissen. Pünktlich kamen wir abends im riesigen Hafen von Rotterdam zum Einschiffen auf der 'Pride of Hull' an. Das Verzurren der Bikes im Schiffsbauch war eine do-it-yourself Angelegenheit die jedoch dank ruhiger See nicht zu Schäden an  unseren Gefährten führte. Dann durften wir uns über Einzelkabinen auf der Fähre freuen, so dass unsere Schnarchbremsen in dieser Nacht noch nicht zum Einsatz kamen.


faehreNach einer ruhigen Überfahrt kamen wir am nächsten Morgen in Hull an der mittelenglischen Ostküste an. Wir genehmigten uns ein spärliches Frühstück an Bord bevor wir den Motorway von Hull nach Heysham unter die Reifen nahmen. Nach dem ersten Tanken entschieden wir uns für eine Modenschau auf der Autobahn. Bei einem kurzen Stopp unter einer Brücke streiften wir die neuste Gummimode für Biker über und zeigten den Engländern was man in dieser Saison bei 'liquid sunshine' trägt. Viel Zeit hatten wir dafür nicht, da wir mittags die zweite Fähre erreichen mussten. Trotz des Regens kamen wir rechtzeitig in Heysham an und reihten uns in die Schlange von ca. 500 Motorrädern ein, die ebenfalls auf das Einschiffen warteten. Immerhin wurde das Fixieren der Töffs von der Crew der Fähre 'Ben-My-Chree' übernommen. Leider war das Schiff so überfüllt, dass wir keinen Sitzplatz mehr ergattern konnten. So mussten wir die dreistündige Überfahrt zur Manxinsel auf dem Aussendeck verbringen. Wegen des Regens und der heftigen Winde an Bord war dieser Aufenthalt nicht sehr angenehm. Gegen Abend liefen wir steif vor Kälte in den Hafen von Douglas an. Mit kalten Gliedern sollte man nicht die Käthe besteigen - nach einem 'hoch das Bein' holte sich Ralf eine leichte Muskelzerrung im Oberschenkel. Dafür wurden wir durch das vorzügliche Hotel 'The Claremont' direkt an der Strandpromenade von Douglas entschädigt.

ttcourseAm Montag war unser erster Renntag. Bevor ich darüber berichte, hier noch ein kurzer Auszug der Wikipedia zur Tourist Trophy: 'Dieses älteste Motorradrennen der Welt findet nicht auf einem speziellen Rundkurs statt, sondern auf den normalen Straßen der Insel. Diese werden während des Trainings und des Rennens für den normalen Verkehr gesperrt. Start und Ziel ist in Douglas. Die 60,72 km lange Strecke, der Snaefell Mountain Course, stellt wie kein anderes Rennen Anforderungen an Mensch und Material. Es ist nahezu unmöglich, sich jede Kurve und damit verbunden alle Bremspunkte zu merken. Beim Rennen gibt es kein gemeinsames Starterfeld, sondern die Kontrahenten starten einzeln zeitversetzt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei der TT beträgt in den Rennen mit den schnellsten Maschinen über 200 km/h. Zum Vergleich: auf den modernen Rennstrecken, auf denen Motorrad-Grand-Prix gefahren werden, wird ein Schnitt von ca. 160 km/h erreicht. Fast jedes Jahr kommt es zu tödlichen Unfällen. Sturzräume und -auffangbereiche sind spärlich bis gar nicht vorhanden. Die Teilnehmer bewegen sich auf dem Asphalt zwischen Häusern, Steinwänden und Böschungen. Auch Fahrbahnkuppen, wie etwa bei Brücken, sind kaum entschärft oder erst in späten Jahren nivelliert worden.'

bikeFür das Erleben der Montagsrennen suchten wir uns einen schönen Pub mit Vorgarten im Örtchen Crosby aus, der den passenden Namen 'The Crosby' trug. Die TT-Strecke wird kurz vor den Rennen gesperrt womit dann auch ein Großteil des normalen Inselverkehr lahm liegt. Will man von einem bestimmten Punkt aus die Rennen beobachten, empfiehlt es sich früh aufzustehen und diesen Punkt zu erreichen bevor die Strassen gesperrt werden. Das 'Crosby' liegt an einer langen geraden Strasse und bietet damit ideale Voraussetzungen um die Renngeschwindigkeiten hautnah zu erleben. Das erste Rennen bestritten die Fahrer der 600cc Supersport Klasse. Vom Crosby aus hatten wir eine gute Aussicht zur ca. 300m entfernten Kurve aus der die Bikes auf die lange Gerade entlang unseres Standpunkts einbogen. Trotz der Entfernung waren wir überrascht, wie sich der erste Fahrer blitzartig näherte und mit ohrenbetäubendem Lärm an uns vorbei raste. Im Abstand von ca. 10 Sek. folgten die Konkurrenten. Nachmittags ging es weiter mit den 1000cc Superstock Boliden. Was morgens wie ein Geschoss auf der Straße wirkte, wurde jetzt nochmals gesteigert. Die 1-Liter Maschinen flogen in solcher Geschwindigkeit an uns vorbei, dass wir nur noch die Farbe und bestenfalls die Startnummer erkennen konnten. Nebenbei hatten wir eine schöne Zeit im Crosby mit leckeren Burgern vom Grill und einem Pint Bier in Ehren.

 

Die ersten 10 der Supersportler
600cc

... und die Gewinner beim Superstock Rennen
1000cc

Der Dienstag war ein rennfreier Tag auf der Insel ohne gesperrte Strassen. Das war unser Startschuss für das Abnehmen des Race Tracks. Im Korso mit tausenden Bikern fuhren wir die 60 km der Tourist Trophy Strecke ab. An Rasen war gar nicht zu denken; alle paar Kilometer standen Polizisten mit Lasermessgeräten am Strassenrand. Zur Mittagszeit machten wir einen Abstecher in den Küstenort Peel und verputzten im Marine Hotel ein paar Sandwiches. Der Ort Peel ist bekannt durch seine Burg die an Plumpudding Castle aus der Fernsehserie 'Robbi Tobbi und das Fliewatüüt' erinnert. In Ramsey mussten wir eine Weile warten weil der Mountain Course wegen eines Unfalls gesperrt war. Aber dann ... die Bergstrecke ist als Einbahnstrasse ausgelegt und hat keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Nach einigen Kilometern wurden uns die Geschosse, die rechts an uns vorbei flogen zu viel und wir legten eine Kurvenpause ein. Jetzt wurde uns auch klar, warum jedes Jahr einige Biker ihr Leben auf der Insel lassen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei den TT Rennen beträgt 210 km/h, somit werden auf dem Mountain Course auch gerne einmal 300 km/h erreicht.

strongbowFür den zweiten Renntag am Mittwoch hatten wir uns die Ballacraine Ecke ausgesucht. In dieser 90 Grad Kurve fahren die Renner langsam genug um mehr Details als auf den langen Geraden erkennen zu können - dachten wir. Leider hatten wir Pech: wegen ständigem Wetterwechsels waren die Strassen auf der Strecke eine Mischung aus Nass und Trocken so dass die Rennleitung nach mehreren Verschiebungen am Nachmittag entschied, die Rennen für diesen Tag abzusagen. Etwas enttäuscht vom TT Race Spirit fuhren wir im strömenden Regen zum Hotel zurück und studierten für den Rest des Tages die englische Bierbraukunst. Wie am Vorabend war das 'La Piazza' der beste Ort für unser Dinner. Das einzige Problem bei diesem hervorragenden Italiener ist es, einen Platz zu bekommen. Eine Reservierungsanfrage über unser Hotel führte nicht zum Erfolg. Da Dreistigkeit bekanntlich siegt und wir am Vorabend durch die Verkostung von 'Strongbow' einen gewissen Kredit erworben hatten, beharrten wir beim Kellner auf unserer nicht vorhandenen Tischreservierung. Die Pizza und das Perroni (nicht wirklich) waren wieder nach unserem Geschmack.

An unserem letzten Inseltag mussten wir um 6 Uhr aus den Federn um einen Platz im Warmen auf der Fähre zu erwischen. In Flugzeugsesseln verdösten wir die Rückfahrt aufs Festland und löschten unsere Mopeten gegen Mittag vom Schiff. Nun hatten wir bis zum Abend Zeit um England an seiner engsten Stelle zu durchqueren. Bei trockenem Wetter entschieden wir uns für die Landstrassen von Yorkshire. Der Ritt über sanfte Hügel und grüne Schafswiesen zauberte ein breites Grinsen auf unsere Gesichter. Zur Mittagszeit kehrten wir ins Maypole Restaurant ein um ein saftiges Rumpsteak zu verdrücken. Diese Schänke von 1698 empfanden wir als Symbol für englische Gastfreundschaft und als Kontrapunkt zum sprichwörtlichen britischen Essen. Ohne die Stadt York am Wegesrand zu besuchen erreichten wir unsere Fähre zum Kontinent am Abend. Die Überfahrt verlieft etwas rauher als beim ersten Mal, brachte den Fischen jedoch kein zusätzliches Mahl ein.

vintageAuch die Heimfahrt am Freitag nach Mettmann und am Samstag nach Zürich verlief problemlos und bei gutem Motorrad-Wetter. Für uns bleibt die Tourist Trophy ein einmalige Erlebnis, das sich jeder Biker einmal im Leben gönnen sollte. Wir haben den Race Spirit erlebt und genossen; werden uns jedoch im nächsten Jahr neue Ziele erschliessen die wieder das eigene Fahrvergnügen in den Vordergrund stellen. Abschliessend sind wir dankbar, dass diese DoT ohne Pannen und Unfälle verlief.

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