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Wind-up 2026: Il Mulino

Il MulinoWährend der vergangenen Jahre standen unsere Bootstouren im Mittelpunkt der jährlichen Reisen. Die Wochen auf den Hausbooten haben uns immer gut gefallen, trotzdem haben wir nun das Thema gewechselt. Erstmals galt unser Interesse bei der Mühlentour dem gemeinsamen Musikspielen.

Bereits Anfang 2026 hatten wir uns um eine Unterkunft bemüht, die laute Musik ermöglicht, ohne dabei die Vermieter und die Nachbarschaft zu stören. Unsere Wahl fiel auf eine alte Mühle im Grenzgebiet zwischen Umbrien und der Toskana. Die Molino di Gambazzo liegt ein paar Kilometer vom Dorf Monterchi entfernt. Die Anreise fand in zwei Etappen statt: von Ratingen nach Zürich und am nächsten Tag weiter in die Toskana. Am 5. September erreichten wir den Zielort. Von Monterchi fährt man ein paar Kilometer durch Tabakplantagen, bevor man beim weitläufigen Anwesen ankommt.

Die alte Mühle besteht aus zwei alten Steingebäuden und einem grossen Swimmingpool inmitten einer mehrere Hektar grossen Parkanlage. Hat man das schmiedeeiserne, elektrisch betriebene Tor passiert, knirschen die Reifen auf dem Kies der mit Zypressen gesäumten Zufahrt. Das gesamte Anwesen ist sehr gepflegt und authentisch.

Wir wurden von Sofia freundlich begrüsst und in unser Haus eingewiesen. Das gesamte Haus mit 200 qm Wohnfläche und sechs Zimmern, die sich über drei Etagen erstreckten, stand zu unserer Verfügung. Darunter drei Schlafzimmer mit drei en suite‑Bädern, eine grosse Wohnküche mit Esszimmer, ein Wohnzimmer mit Kamin und mehrere Wirtschaftsräume, von denen wir einen für unsere Gerätschaften verwendeten. Von der Wohnküche gab es einen direkten Zugang zu der überdachten Aussenterrasse, die einen grossen Tisch mit sechs Stühlen und einen grossen Grill bot.

Auf der Südseite des Hauses schritt man ein paar Stufen hoch, um den grossen Swimmingpool zu erreichen, der mit Liegestühlen und Sonnenschirmen ausgestattet war. Da von Samstag bis Dienstag die Sonne mit 33 Grad vom Himmel schien, machten wir ausgiebigen Gebrauch von dieser Abkühlung. Rund um den Pool fielen uns drei seltsame Konstruktionen auf. Diese waren ca. anderthalb Meter hoch und bestanden aus einem grossen schwarzen Gummiball, der an einem Metallgestell aufgehängt war. Die obere Hälfte des Balls war mit einem Stoffkegel bedeckt, der oben an der Aufhängung in einer Dose mündete. Schnell fanden wir heraus, dass es sich dabei um Bremsenfallen handelte. Der schwarze Ball erwärmt sich in der Sonne und simuliert damit einen Pferdekörper, auf den es die lästigen Bremsen abgesehen haben. Da es beim Ball nichts zu beissen gibt, fliegen sie wieder weg, und zwar nach oben. Dadurch fliegt das Insekt in den Kegel und landet in der Dose, die der Bremse ein tödliches Ende bereitet.

Wer zusammen musizieren möchte, riskiert ein überladenes Auto. Neben drei Personen musste Udos Mitsubishi vier Gitarrenkoffer, einen Trompetenkoffer, drei grosse Verstärker, vier Taschen und Koffer, sowie die Lebensmittel für das Wochenende transportieren. Dank Udos Packkünsten passte die Ladung in den Wagen.

Auch in diesem Jahr gab es Gimmicks - nicht nur eines, sondern mehrere: Ralf brachte drei Nasenflöten mit, womit unser Master-Musiker Udo, seine liebe Mühe hatte. Seine Nasenschwäche wusste Udo durch eine Opfergabe in Form von zwei Mundharmonikas zu kompensieren, die in der Woche leider kaum zum Einsatz kamen. Auch die beiden Trompeten-Mundstücke gingen ungeblasen zurück nach Ratingen. Im Gegensatz dazu, wurden Annes T-Shirts gerne getragen, wie man auf dem Bild sieht.

So verbrachten wir die ersten Tage mit gemütlichem Zusammensein. Wie jedes Jahr gab es viel zu erzählen. Auch die dummen Sprüche in hoher Auflösung waren wieder reichlich vorhanden. Nach dem Frühstück verbrachten wir die Zeit mit Musizieren, Baden und der Zubereitung von feinen Speisen für zwischendurch. Bis auf eine Ausnahme, kochten wir unsere Abendessen in der Mühle. So verging die Zeit wie im Fluge und wir hätten noch eine weitere Woche in diesem Idyll verbringen können. An Gesprächsthemen und Musikstücken mangelte es uns nicht.

Am Dienstagabend machten wir eine Erfahrung der besonderen Art. Während Torsten gerade "Hells bells" auf seiner Stratocaster spielte – wir hatten die Bühne auf die Terrasse verlegt – kamen uns seltsame Geräusche in die Ohren. Es war eine Art von Heulen, das nichts mit ACDC oder Torstens superbem Aufspiel zu tun hatte. Nein, es war das Heulen eines Wolfes, welches von den Hügeln zu uns drang, die das Anwesen auf der Ostflanke begrenzten. Nach zwei weiteren Akkorden, konnten wir das Geräusch eindeutig als Heulen eines Wolfsrudels identifizieren. Ich mag mich verschätzen, ortete die Audioquelle doch nicht weiter als ein paar hundert Meter von unserer Bühne entfernt. Die Gegenbewegung zu unserem Spiel dauerte vielleicht 5 Minuten an, bevor die Wölfe verstummten, nachdem Torsten sich ein Herz nahm und einen Fuzz-Effekt in die Hügel donnerte.

Unsere Reisen haben immer einen Tour-Namen. Nach diesem Ereignis war es klar, dass die Tour "Unter Wölfen" heissen sollte. Doch es kam ganz anders.

Für Mittwoch war Regen mit Gewittern angesagt, weshalb wir einen Ausflug nach Siena unternahmen. Torsten kannte diese schöne Stadt in der Toskana noch nicht und Udos letzter Besuch lag schon Jahrzehnte zurück. Vom Anwesen fuhren wir anderthalb Stunden Richtung Westen, bis wir im Stau auf der Zufahrtsstrasse zur Altstadt feststeckten. Geschäftstüchtige Garagenbetreiber boten für 20 EUR bis 18 Uhr einen Parkplatz in ihren Hallen an. Wir nahmen das Angebot an und konnten somit dem Touristenstau entkommen. In Siena besuchten wir die "Zebra-Kathedrale" und bewunderten in einem saunaähnlichen Klima die schönen Bodenmosaike der Kirche. Weiter ging es zum berühmten Platz "Il Campo", auf dem jedes Jahr das Pferderennen der Stadtviertel ausgetragen wird. Danach gönnten sich Udo und Torsten einen Eisbecher in der Konditorei Nannini, dem Elterngeschäft von Gianna Nannini und ihrem Bruder, dem Rennfahrer Alessandro, der heute die Geschäfte der Nanninis leitet. Auf der Piazza Giacomo Matteotti verspeisten wir drei gute Pizzen, bevor wir die Rückreise zur Mühle antraten.

Wir hatten Glück, da während unseres Ausflugs ein heftiges Gewitter über der Unterkunft niedergegangen war. Bereits bei der Ankunft, bemerkten wir, dass etwas nicht in Ordnung war. Die Eisenpforte der Zufahrt, liess sich mit der Fernsteuerung nicht mehr öffnen. Zum Glück hatte uns Paul eine alternative Zufahrt erklärt, falls die Elektrik aufgrund eines Blitzeinschlags nicht mehr funktionieren sollte. Nach einer Rampe, zwei Elektrozäunen und einer Fahrt über den Rasen des Parks, gelangten wir wieder zur Mühle. An diesem Abend mussten wir auf WLAN verzichten, da auch dieses dem Gewitter erlegen war.

Bei angenehmer Temperatur (24 Grad) verbrachten wir einen verregneten Donnerstag im Haus und auf der Terrasse. Dank Udos Musiktalent konnten wir ein paar neue Stücke ausprobieren, wobei Udo Titel aussuchte, die sich gut mit drei Gitarren spielen lassen. Mit dabei waren das "James Bond Theme" und "House of the rising sun" von den Animals. Während der Proben in dieser Woche, entdeckte Ralf, dass ihm das Singen viel Spass macht; die Stimme ist auch ein Instrument.

Am Abend stellte Torsten seine Bedingungen für "Unter Wölfen" als Tour-Namen. Dieser würde nur akzeptiert, falls sich die Wölfe ein zweites Mal Gehör verschaffen würden, was nicht geschah. Darum heisst diese Tour "Il Mulino".

Inspiriert von den Tabakfeldern, die sich auf dem Weg zur Mühle zeigten, fuhren wir am Freitag nach Sansepolcro, einem Städtchen, welches 20 Minuten nördlich von Monterchi liegt. Dort gibt es Tabakläden mit Rauchwaren aus heimischem Anbau. Der hübsche Ort hatte eine ausgedehnte Fussgängerzone mit netten Läden und stand im Zeichen der Mittelalterspiele, die dort in dieser Woche stattfanden. An den Fassaden und in den Läden hingen bunte Flaggen der Region, von denen Ralf gerne ein oder zwei als Mitbringsel gekauft hätte. Leider war das nicht möglich, weil die Fahnen Leihgaben der Stadt waren und selbige in der Touristeninformation ausverkauft waren. Doch Torsten und Udo kamen im Tabakladen zum Zuge; es wurden mehrere Zigarrenschachteln eingekauft und nach unserer Rückkehr zur Mühle sogleich verkostet.

Wahrscheinlich sind die Zigarrenkenner dieser Gegend robuste Typen, was man von unseren verwöhnten Feinschmeckern nicht behaupten kann. Während Udo tapfer mit seinem ledrig-dunklen Longfiller kämpfte, wurde Torsten bei jedem Zug aus dem Stumpen blasser im Gesicht. Der vermeintliche Genuss endete in einem allgemeinen Schwindelgefühl, welches unsere Aficionados für eine Weile an ihre Stühle fesselte.

Am Samstagmorgen war die schöne Woche schon vorbei. Wir verabschiedeten uns von Peter, der Paul und Sofia während ihrer Abwesenheit vertreten hatte. Er bestätigte uns, dass gelegentlich mal ein Wolf unter einem Olivenbaum im Garten steht. Doch das genügte Torsten nicht, mit "Unter Wölfen" als Tour-Namen durchzugehen. So bleibt es bei "Il Mulino", einer der schönsten und musikalisch inspirierendsten Reisen, die wir gemacht haben. Wir möchten dieses Setting beibehalten und suchen für nächstes Jahr ähnlichen Komfort, Rustikalität und Abgeschiedenheit, um unserem Gitarrenhobby zu frönen.

Unser Dank gilt den beiden Gastgebern, Sofia und Paul. Die beiden haben einen wunderbaren Ort geschaffen, der Entspannung und Inspiration bietet. Irgendwann kommen wir zur Molino di Gambazzo zurück.

 

Die Bilder (46)